«Olympia-Revanche» der Männer in Norwegen
Franco Cavegn belegte in Kvitfjell am Samstag Platz 3, Didier Defago fuhr am Sonntag auf Platz 2. Bruno Kernen und Didier Cuche holten Plätze 7 und 8.
Der nach den starken Trainingsleistungen erhoffte Podestplatz hing am Ende an einem seidenen Faden: Cavegn war zeitgleich mit Kristian Ghedina klassiert, nur einen Hundertstel dahinter wurde Olympiasieger Fritz Strobl Fünfter. Mit Cavegn «erlöste» der in dieser Saison konstanteste Schweizer Abfahrer das Team, bei dem seit den Januar-Rennen und insbesondere seit den olympischen Spielen einiges im Argen gelegen hatte.
Die Genugtuung nach den letzten schwierigen Wochen machte Cavegn unmissverständlich deutlich: «Ich habe immer gesagt, dass wir besser sind als unsere Resultate. Doch mit der Zeit interessiert das niemanden mehr.» Er selber könne mit seiner Saison, abgesehen von Wengen, Kitzbühel und St. Moritz, sicher zufrieden sein, ergänzte er. Als letztes Ziel hat er den 3. Rang in der Disziplinenwertung vor Augen. Vor dem Finale in Zauchensee liegt als Vierter, zehn Punkte hinter dem drittplazierten Ghedina, zurück.
Windopfer Kernen
Die zweitletzte Weltcup-Abfahrt der Saison wurde bei starkem, böigem Wind ausgetragen, der eine Verkürzung der Strecke um rund 17 Fahrsekunden erforderte. Von einer Lotterie wollte indes keiner der Fahrer sprechen. Allen Grund dazu hätte Bruno Kernen gehabt. Der Berner Oberländer, der ganz oben der Schnellste war und bei der untersten Zwischenzeit als Drittschnellster – und einen Zehntel vor Cavegn und Ghedina – gestoppt wurde, wurde im Zielhang regelrecht vom «Winde verweht».
«Das ist extrem ärgerlich, auf diese Weise einen Podestplatz zu verpassen. Anderseits bin ich stolz, nach meiner Nichtqualifikation für die Olympia-Abfahrt auf diese Weise reagieren zu können. Dass ich bis zum Mittelteil mit den Weltbesten mithalten konnte, war für die Fortsetzung meiner Karriere wichtig.»
Cuche unzufrieden
Auf Grund seiner Trainingsergebnisse (1., 2., 7.) hatte Didier Cuche natürlich mehr erwartet. Der Neuenburger, der sich in diesem Winter in der Abfahrt bislang schwerer als erwartet getan hat und über 6. Plätze in Val d’Isère und Kitzbühel nicht hinaus gekommen ist, wollte dem Rennen die Regulärität ebenfalls nicht absprechen, trauerte aber doch besseren Bedingungen nach: «Wer weiss, wie diese Abfahrt ohne Wind herausgekommen wäre», fragte er.
Viertbester Schweizer war überraschend Markus Herrmann (13.). Der 29-Jährige, der im vergangenen Frühjahr in den Regionalverband zurückgesetzt wurde und die Weltcup-Qualifikation erst in internen Ausscheidungen schaffte, war so gut klassiert wie seit über drei Jahren nicht mehr.
Gott auf Trinkls Seite
Neben dem gesamten Schweizer Team und Ghedina, der in Snowbasin in der Abfahrt den enttäuschenden 35. Platz belegt hatte, zählte auch Sieger Hannes Trinkl zu den «Olympia-Geschädigten». Er habe Glück gehabt mit dem Wind, sagte der 34-Jährige: «Gott war heute auf meiner Seite», sagte er.
swissinfo und David Bernold (Si)
Defago mit persönlicher Bestleistung
Noch besser machte es im Super-G vom Sonntag Didier Defago, der als Zweiter hinter dem Italiener Alessandro Fattori erstmals in seiner Karriere einen Podestplatz errang.
Defago holte mit diesem Podestplatz das nach, was er im vergangenen Winter verpasst hatte. Damals war der Walliser sowohl in den beiden Abfahrten als auch im Super-G im oberen Streckenteil jeweils der Schnellste gewesen, verpasste mit Fehlern aber den Sprung unter die ersten drei. Im Super-G hatte es ihm dennoch zu Rang 4 gereicht – seiner bis gestern besten Weltcup-Klassierung.
Nun habe er endlich eines seiner Saisonziele realisieren können, sagte Didier Defago, «lieber spät als nie».
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