Pawel Borodin freigelassen
Der frühere Kreml-Verwaltungschef Pawel Borodin ist gegen eine Kaution von 5 Mio. Franken auf freien Fuss gesetzt worden. Entgegen ärztlichen Ratschlägen verliess er das Genfer Kantonsspital. Er will am Freitag (13.04.) nach Moskau weiterreisen.
Die Genfer Anklagekammer hatte am Donnerstagmorgen eine Kaution von 5 Mio. Franken festgesetzt. Das russische Aussenministerium überwies das Geld umgehend nach Genf.
Russland zufrieden
Mit dem Gerichtsentscheid zeigte sich Russland zufrieden. «Wir gehen vom Prinzip aus, dass ein russischer Bürger, dessen Schuld nicht bewiesen ist, nicht im Gefängnis bleiben sollte», sagte Regierungssprecher Alexej Wolin.
Der 54-jährige Borodin hatte sich anfangs dieser Woche über Schmerzen in der Brustkorbgegend beklagt und war darauf vom Genfer Gefängnis Champ-Dollon ins Spital überführt worden.
Anklagepunkt fallengelassen
Die Genfer Anklagekammer hatte dem Antrag von Borodins Verteidigung nachgegeben, ihn gegen eine Kaution aus der Haft zu entlassen. Sie liess den Anklagepunkt der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation fallen. Der Vorwurf der Geldwäscherei reichte nicht aus, um Borodin im Gefängnis zu behalten.
Der Entscheid wurde von Borodins Anwalt, Dominique Poncet, als «Sieg auf der ganzen Ebene» bezeichnet. Die Anklagekammer habe damit klar gemacht, dass es sich nur um eine Geldwäscherei-Affäre handle. Selbst wenn gewisse Punkte des Dossiers auf Geldwäscherei schliessen liessen, müsse auch das erst noch bewiesen werden.
Ermittlungen werden weitergeführt
Der Genfer Staatsanwalt Bernard Bertossa betonte vor Journalisten, die Ermittlungen würden weitergeführt. Vieles hänge nun von Borodins Kooperationsbereitschaft ab. Natürlich könne Borodin nach Russland zurückkehren, müsse aber bei Vorladungen zu Vernehmungen in Genf erscheinen.
Bertossa hatte eine Haftverlängerung um drei Monate gefordert. «Mir kann niemand weis machen, dass Pawel Borodin nach Genf zurückkehrt, wenn er erst einmal in Russland ist», hatte er am Dienstag vor Gericht erklärt.
Borodin soll den zwei Tessiner Firmen Mercata und Mabetex Renovationsaufträge im Kreml zugeschanzt haben. Er und seine Familie sollen dafür rund 45 Mio. Franken kassiert haben.
Die Genfer Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen in dem Fall im Frühjahr 1999 aufgenommen. Am 17. Januar 2001 wurde Borodin auf Grund eines internationalen Haftbefehls in New York festgenommen. Am vergangenen Samstag wurde er in die Schweiz geflogen.
swissinfo und Agenturen
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