Schweizer Image angekratzt
Die Imagepflege durch Präsenz Schweiz ist heute mehr gefordert denn je. Neben den USA und Grossbritannien soll schwerpunktmässig Spanien bearbeitet werden.
Terroranschläge in den USA, Bluttat in Zug, Ende der Swissair, Brand im Gotthard-Tunnel: Noch nie sei die Schweiz direkt oder indirekt von einer solchen Häufung dramatischer Ereignisse betroffen worden, sagte Direktor Johannes Matyassy von Präsenz Schweiz vor den Medien im Bundeshaus.
Seit dem 11. September sei eine wesentlich offensivere und dezidiertere Informationspolitik nötig. Beispielsweise gelte es gegen das Vorurteil zu kämpfen, der Finanzplatz Schweiz diene terroristischen Organisationen, ergänzte er. Präsenz Schweiz will die Netzwerkbildung in Schlüsselländern wie den USA noch intensivieren. Ein Schritt dazu war die Eröffnung eines neuen Büros in Washington am 1. Oktober.
Die Situation in den USA ist laut Matyassy im Moment allerdings sehr schwierig, da eine Milzbrandhysterie und Angst vor weiteren Terroranschlägen das öffentliche Leben fast völlig lahm legten.
Zwei Veranstaltungen, die Tournee der Zürcher Sängerknaben sowie die Nanotechnologie Media Tour, mussten annulliert werden. Andere Projekte drohten wegen Ausstiegs der Swissair als Sponsor und Flugstreichungen abzustürzen.
Bitte kein Grounding mehr
Vor allem in Ländern der EU herrschte laut Matyassy in den Kommentaren zur Swissair – einem Symbol für Qualität und Zuverlässigkeit – auch eine gewisse Schadenfreude nach dem Motto: «Der Musterschüler ist auf die Nase gefallen.» Am meisten geschadet haben dürfte das Grounding. «Kein Grounding mehr!», sei deshalb das wichtigste Postulat, sagte Matyassy. Dem Ausland müsse gezeigt werden, dass die Swissair ein Einzelfall, die Schweiz nach wie vor ein verlässlicher Partner sei.
Für Fälle, wo die Airline als Sponsor von Projekten ausgefallen sei, habe Präsenz Schweiz 200’000 Franken zur Verfügung gestellt.
Problem Südafrika-Politik
Handlungsbedarf sieht Matyassy auch in Sachen Südafrika, wo wegen der Haltung der Schweiz zur Zeit der Apartheid Sammelklagen drohen. Behörden und Banken seien vorbereitet. Wenn es tatsächlich Schwierigkeiten geben sollte: «Mit solchen Dimensionen wie bei den nachrichtenlosen Vermögen, als die US-Regierung beteiligt war, ist nicht zu rechnen.»
Spanien als Schwerpunktland
Als neues Schwerpunktland neben den USA (2001-2003) und Grossbritannien (2002-2004) wählte die Kommission für die Jahre 2003-2005 Spanien. Dieser Staat – einer der fünf Grossen der EU – sei politisch und wirtschaftlich ein «rising star», sagte Matyassy. Spanien stehe der Schweiz kritisch und mit vielen Klischees gegenüber.
Die Schweiz will in Spanien nicht nur ihre kulturelle Vielfalt und ihre humanitäre Tradition, sondern auch die Qualität ihrer Wirtschaft und des Bildungswesens bekannt machen. Der Reigen der Aktivitäten beginnt im Frühjahr 2003 an der Kunstmesse ARCO in Madrid, wo die Schweiz als Ehrengast dabei ist.
Schlechte Noten im Vereinigten Königreich
Einiges zu verbessern gibt es auch am Image, dass die Schweiz im Vereinigten Königreich geniesst. Laut einer Untersuchung der Universität Bern geben vor allem die Parlamentarier in England der Schweiz schlechte Noten. Die Studie zeigt unter anderem auch, dass die humanitäre Tradition von der Schweiz selber als bedeutender eingeschätzt wird als im Ausland.
Die mit 14 Stellen dotierte Kommission Präsenz Schweiz verfügt nächstes Jahr über 13,5 Mio. Franken. Das könnte noch ändern, denn in der nationalrätlichen Finanzkommission wurde der Rotstift angesetzt. Präsidentin ist ab 2002 die frühere Nationalrätin Ruth Grossenbacher, nachdem Paul Reutlinger wegen seiner Verbindungen zur Swissair den Rücktritt erklärt hat.
swissinfo und Agenturen
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