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Der Münzautomat der Schweiz wird 100

Preis-/Wertverhältnis: Die kleinen Münzen sind die teuersten.

(Keystone)

1906 prägte die Eidgenössische Münzstätte in Bern die ersten Geldmünzen. 2006 verlassen die letzten Einräppler die heutige swissmint.

Die runden Geldstücke aus Nickel, Kupfer und Bronze stehen in immer grösserer Konkurrenz zum Plasticgeld.

"Wer den Rappen nicht ehrt, ist des Frankens nicht wert", mahnt der Volksmund zu Sparsamkeit und Wertschätzung auch der kleinen Dinge.

Die Eidgenössische Münzstätte - lange einfach "Die Münz" genannt, bevor sie der Bund in swissmint umtaufte - hält sich aus aller moralisierenden Ermutigung zur Rappenspalterei heraus.

Verfassungsmässige Aufgabe der Geldmaschine der Schweiz war und ist es, die Menschen des Landes in ausreichender Menge mit barer Münze zu versorgen. Gegenwärtig sind rund 4,5 Mrd. Geldstücke im Wert von 2,5 Mrd. Franken im Umlauf.

In der Sprache der Verfassung heisst das: Das Münzwesen ist Sache des Bundes. Im Gegensatz dazu werden die Banknoten von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gedruckt und ausgegeben.

Sammler-Auflage

2006 werden die Münzpräge-Maschinen im neoklassizistischen Bau im Berner Kirchenfeldquartier rund 32 Mio. mal niedersausen. Pro Sekunde sind es zehn Münzen, die ausgespuckt werden. "Wie von einem Maschinengewehr", sagt swissmint-Geschäftsführer Kurt Rohrer gegenüber swissinfo.

1,5 Mio. von diesem Berg an klingenden Münzen werden Einräppler sein, die letzten ihrer Gattung, für Sammler bestimmt.

Nur noch Glücksbringer

Nicht etwa, dass swissmint den Winzling aus Bronze selber nicht mehr ehren würde, im Gegenteil. Aber erstens ist der Räppler im Zahlungsverkehr bedeutungslos geworden – heute wird am Ladentisch nicht mehr auf Rappen, sondern auf fünf Rappen abgerechnet.

Und zweitens ist die kleine Münze sich selber nicht mehr wert, sprich: zu teuer. Nennwert ein Rappen, Herstellungskosten aber deren elf. Kein Wunder, dass die Schweizer Regierung bei diesem Missverhältnis das Aus anordnete.

Ab 2007 wird der Räppler in der Schweiz nicht mehr als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. Das ist aber nicht sein Ende: Als Glücksbringer im Portemonnaie darf der Winzling weiter seine Dienste tun.

Gnadenfrist für Fünfer

Der Räppler verschwindet, der Fünfer (Fünfrappen-Münze) überlebt vorderhand nur dank der Intervention von Finanzminister Hans-Rudolf Merz. Sind die Tage des "Münz" insgesamt gezählt? Mittelfristig nicht, glaubt Kurt Rohrer. "Wenn ich am Bahnhof eine Zeitung kaufe, zahle ich bar, das ist komfortabler und vor allem auch schneller."

Rohrers Zuversicht gründet auch auf einem weiteren Faktor: Die Menschen seien bezüglich Zahlungsmittel sehr konservativ.

Neue Offensive des virtuellen Geldes

Der "Herr der Münzen" räumt aber ein, dass die Konkurrenz durch Plastic-Geld wie Kredit- und Cashkarten gross sei. "Heute prägen wir viel weniger als noch vor zehn oder 12 Jahren", so Rohrer. Damals habe der Ausstoss 150 Mio. Münzen pro Jahr betragen.

Eben hat die Konkurrenz wieder einen Zacken zugelegt: Die Schweizer Detailhandelsriesen Coop und Migros sowie das Warenhaus Jelmoli gaben bekannt, dass sie ihren Kundinnen und Kunden gebührenfreie Kreditkarten ausgeben.

Immer weniger Sammler

Swissmint gibt ferner Sonder- und Gedenkmünzen heraus. Aber auch hier ist die Tendenz rückläufig. "Die eingefleischten Sammler sterben aus", beklagt Rohrer.

Nicht zu sorgen braucht sich die Münzfabrik hingegen über denk- und erinnerungswürdige Ereignisse in genügender Zahl, die der Ausgabe eines Spezialstücks würdig sind. Die jüngste solche Gedenkmünze ist dem Bundeshaus (Parlamentsgebäude) in Bern gewidmet, das momentan renoviert wird.

Rohrer versucht, neue Absatzkanäle für die Sonder- und Gedenkmünzen zu finden. Beispielsweise mit einer verstärkten Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus, der Agentur des Bundes, welche die Tourismus-Destination Schweiz fördert.

Swissmint erfüllt aber auch private Wünsche, in Form von Medaillen für Anlässe oder eigens konfektionierten Münzsätzen für Firmenjubiläen. Auch prägt die ehemalige Münz den "Blues", die Währung des Sommerfestivals Langnau Jazz Nights.

Nicht ganz ohne

Selber ist Kurt Rohrer übrigens weder Numismatiker, wie der Fachbegriff für Münzsammler lautet, noch findet sich in seinem Portemonnaie je Münz. Dieses klimpert in seiner Hosentasche, die er jeweils abends leert. Die sozusagen spontane Sammlung tauscht er dann regelmässig in Noten ein.

Doch ganz ohne Sammeltrieb geht es auch bei Kurt Rohrer nicht ab: "Ich sammle alle Münzen, welche swissmint in meiner Amtszeit als Geschäftsleiter herausgibt." Immerhin!

swissinfo, Renat Künzi

Fakten

2006 prägt swissmint rund 32 Mio. Münzen.
Vor 12 Jahren waren es noch rund 150 Mio. Münzen gewesen.
Der Wert der 4,5 Mrd. Münzen, die sich momentan im Umlauf befinden, beträgt rund 2,5 Mrd. Franken.
Jährlich vernichtet swissmint 30 bis 50 Tonnen Münzen, die abgenutzt, beschädigt oder gefälscht sind.

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In Kürze

Verschiedene Münzherren (Kantone, Städte, Abteien etc.) prägten bis Mitte 19. Jahrhundert eine riesige Anzahl Münzsorten in unterschiedlichsten Währungen. Daneben zirkulierten auch ausländische Prägungen. Das machte das Bezahlen mit Geld äusserst mühsam.

Die Bundesverfassung von 1848 errichtete ein Monopol für die Münzprägung und übertrug dieses dem Bund. Er übernahm 1853 provisorisch die Münzstätte des Kantons Bern.

1890 ging sie als Eidgenössische Münzstätte definitiv an den Bund über. 1998 wurde sie in swissmint umbenannt.

Das heutige Münzwesen mit dem Frankensystem wurde mit der Münzreform von 1850 geschaffen.

Von 1865 bis 1926 gehörte die Schweiz zur Lateinischen Münzunion (mit Frankreich, Belgien, Italien, später auch Griechenland). Ziel war eine Währungsunion für das Münzwesen.

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