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Die Schweiz beginnt ihr zweites Jahr als UNO-Mitglied

Jenö Staehelin - der Schweizer Botschafter bei der UNO in New York. Keystone

Am 16. September wird die 58. Session der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York eröffnet. Die Schweiz nimmt erst zum zweiten Mal daran teil.

Dieser Inhalt wurde am 07. September 2003 - 11:42 publiziert

swissinfo hat mit UNO-Botschafter Jenö Staehelin über die einjährige Erfahrung der Schweiz als UNO-Vollmitglied gesprochen.

Im März 2002 sprach sich das Schweizer Volk an der Urne für den UNO-Beitritt des Landes aus. Die Abstimmungs-Kampagne war hitzig, denn die Gegnerschaft führte das Argument ins Feld, eine UNO-Mitgliedschaft würde die Neutralität der Schweiz gefährden.

swissinfo: Hat sich Ihre Arbeit verändert, seit die Schweiz der UNO beigetreten ist?

Jenö Staehelin: Sie hat sich insofern verändert, als ich mich nun mit allen Fragen zu befassen habe, die auf der Tagesordnung der UNO stehen. Als Beobachter konnte ich mich auf bestimmte Themen konzentrieren, die für die Schweiz von besonderem Interesse waren.

Die UNO steht vor grossen Herausforderungen – nicht zuletzt wegen der Meinungsverschiedenheiten zur Irakfrage im Sicherheitsrat und der Herausforderung des Wiederaufbaus. Wie schwer wiegt es für die UNO, wenn ihre Rolle beschränkt wird?

In den gut 50 Jahren der Geschichte der UNO gab es viel Auf und Ab. Ich denke, wir durchleben heute eine schwierige Zeit, weil eine Supermacht Einschränkungen bei der Ausübung ihrer Macht nur schwer akzeptieren kann. Andererseits kann man den Rest der Welt nicht einfach ignorieren. Deshalb suchen wir einen Ausweg aus dieser Situation. Ich bin zuversichtlich, dass wir klar machen können, dass die Welt eine Organisation wie die Vereinten Nationen braucht.

Welche Auswirkungen hat die Bombardierung des UNO-Hauptquartiers in Bagdad Mitte August auf die Organisation und ihre Aktivitäten in Irak?

Die Auswirkungen sind recht schwerwiegend. Die Organisation musste sich entschliessen, die Anzahl der Leute zu reduzieren, die im Irak für sie arbeiten. Im Allgemeinen hat sie sicher einen guten Ruf, denn man weiss, dass sie der irakischen Bevölkerung helfen will. Es ist deshalb eine Tragödie, dass die Menschen, die zum Helfen dort sind, getötet werden oder ihre Arbeit nicht tun können.

Wird die Schweiz wegen dieses Anschlags weniger an UNO-Aktivitäten wie der Friedensförderung an Orten wie Irak teilnehmen?

Das ist sicher so. Wir haben einige Leute in unserer Mission in Irak. Die Regierung hat beschlossen, dass sie ihre Arbeit vorläufig weiterführen sollen. Diese Leute haben viel Mut, aber wir müssen natürlich extrem vorsichtig sein und die Situation täglich überprüfen, damit wir wissen, ob wir so weitermachen können oder ob es Bedrohungen gibt, die so ernst sind, dass sie uns zum Rückzug zwingen.

Die Schweiz wird am 16. September zum zweiten Mal als Mitglied an der Vollversammlung teilnehmen. Sie will für eine stärkere UNO plädieren, mehr Nachdruck auf die Entwicklung legen und eine klare Haltung zum Irak und zum Nahen Osten vertreten. Wird man ihr zuhören?

Ich glaube schon. Ja, ich bin sicher, dass man zuhören wird. Ich denke, man weiss, dass wir unsere Haltung auf bestimmten Prinzipien aufbauen, deshalb werden die Delegationen uns zuhören. Das heisst nicht, dass man zu viel Gewicht auf die Bedeutung des Schweizer Standpunkts legen sollte. Aber es gibt viele andere Länder mit ähnlichen Standpunkten, und das hat einen Einfluss auf jene, welche schliesslich gewisse Beschlüsse fassen.

Die Gegnerschaft der Schweizer UNO-Mitgliedschaft argumentierte, dass diese der Schweizer Neutralität schaden werde. Sieht es nun, nach einem Jahr, danach aus?

Nein, wir wurden als neutrales Land UNO-Mitglied. Die anderen Mitglieder wissen das. Das war nie umstritten, und ich bin im ersten Jahr auf keine Probleme gestossen. Deshalb denke ich, dass diese Befürchtungen grundlos waren.

Wie beurteilen die anderen Mitglieder die Leistungen der Schweiz seit ihrem Beitritt?

Ich habe keine negativen Reaktionen festgestellt. Vielleicht, weil Diplomaten zu höflich sind! Von Anfang an waren die anderen Delegationen sehr freundlich und kooperativ, und ich denke, sie sind froh, dass ein Land wie die Schweiz zur Lösung der Probleme dieser Welt beitragen kann.

Vor einem Jahr sagten Sie gegenüber swissinfo, dass Sie im ersten Jahr sehr vorsichtig vorgehen würden. Werden Sie nun energischer auftreten und aktiver sein?

Es war sicher richtig, das erste Jahr als Lehrzeit anzusehen. Natürlich machten wir unseren Standpunkt klar. Aber es stimmt, wir wollten nicht, dass es so aussah, als ob wir nun nach 50 Jahren der UNO beitreten und den anderen gleich vom ersten Tag an sagen wollten, was sie zu tun hätten, und dass wir alles besser wüssten als sie. In dieser Hinsicht waren wir sicher etwas vorsichtig. Aber wir werden auch dieses Jahr unseren Standpunkt vertreten. Wir werden vielleicht versuchen, etwas aktiver an den Debatten über Fragen teilzunehmen, welche keinen so direkten Einfluss auf die Schweiz haben.

swissinfo-Interview: Jonas Hughes

(Übertragung aus dem Englischen: Charlotte Egger)

Fakten

März 2002: Die Schweizer Stimmberechtigten sagen Ja zum UNO-Beitritt
10. September 2002: Formeller UNO-Beitritt der Schweiz
Zuvor: Schweiz mit Beobachterstatus

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In Kürze

Laut Jenö Staehelin, UNO-Botschafter in New York, kann die Schweiz mit ihrem ersten Jahr als UNO-Mitglied zufrieden sein.

Im Interview mit swissinfo sagt Staehelin, die Delegationen der anderen UNO-Mitgliedstaaten seien von Anfang an sehr freundlich und kooperativ gewesen und seien wahrscheinlich froh, dass ein Land wie die Schweiz zur Lösung der Probleme dieser Welt beitrage.

Die Befürchtungen der UNO-Beitritts-Gegner, eine UNO-Mitgliedschaft werde der Schweizer Neutralität schaden, sind für Staehelin grundlos. Er sei im ersten Jahr auf keine Probleme gestossen.

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