Driftet die Schweiz in die Rezession?

Keystone

Ökonomen rechnen mit weniger Wachstum für die Schweiz im nächsten Jahr. Eine grössere Denkfabrik befürchtet sogar eine Mini-Rezession. Die Schweiz kann den Sturm jedoch vermutlich besser überstehen, als viele andere Länder.

Dieser Inhalt wurde am 30. September 2008 - 16:15 publiziert

Nach der letzten Runde der weltweiten Turbulenzen auf den Finanzmärkten hat die Konjunkturforschungsstelle KOF der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH am Montag ihre Prognose von 1,8% Wachstum für das nächste Halbjahr auf mickrige 0,3% korrigiert.

"Im nächsten halben Jahr werden wir uns im Bereich von null Prozent Wachstum bewegen", sagte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm gegenüber swissinfo.

"Es kann leicht positiv oder negativ sein, doch es wird eine kurze Phase geben, in der die Wirtschaft zum Stillstand kommen wird."

Der September hat die Märkte wegen der US-Hypothekenkrise erneut kräftig durchgeschüttelt. In Europa mussten verschiedene Banken gerettet werden, unter anderem in Grossbritannien, in Belgien und Deutschland.

Sturm betonte, dass sich die korrigierten Erwartungen auf den "dramatischen Stimmungsumschwung" in den europäischen Volkswirtschaften stützten - gemessen an Indikatoren wie Konsumnachfrage, Produktionsleistung und Beschäftigungsgrad.

"Weil Europa unser wichtigster Geschäftspartner ist, wird dies besonders Auswirkungen auf die Exporte haben", so Sturm.

Relativ optimistische Aussichten

Die mittleren bis längerfristigen Erwartungen für die Weltwirtschaft schätzt die KOF jedoch relativ optimistisch ein, in der Hoffnung, dass die USA in der zweiten Hälfte nächsten Jahres die Wende schaffen.

In der Schweiz wird die Spendierlaune der Konsumenten die Wirtschaft bei der Stange halten, trotz weniger neuen Jobs und weniger generösen Lohnerhöhungen, sagt die KOF voraus.

Auch die Inflation sollte mit der Korrektur der hochschiessenden Rohstoffpreise wieder unter Kontrolle gebracht werden.

Mehr Einwanderung

Auch die Grossbank Credit Suisse schätzte bei der Präsentation ihrer Wirtschaftsprognose 2009 am Dienstag, dass die Verkäufe an den Ladenkassen auf hohem Niveau bleiben könnten.

Dies besonders dank zusätzlichen 100'000 Einwanderern, die meisten hochqualifiziert, die nächstes Jahr in die Schweiz kommen sollten.

Die Spezialisten der Credit Suisse rechnen mit keiner Rezession. Trotzdem korrigierten sie die Erwartung auf 1%. Vor einem Jahr hatten sie für 2009 noch ein Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von deutlich höheren 1,6% vorausgesagt.

Keine Kreditkrise

Laut Finanzexperte Claude Maurer sind die Grundlagen der Schweizer Wirtschaft stark genug, um den Stürmen an den Finanzmärkten trotzen zu können.

"Es fällt nicht leicht, optimistisch zu sein, wenn man die Schlagzeilen über die Börsen liest. Doch so lange die Menschen sichere Arbeitsplätze haben, geben sie Geld aus; und das ist der Pfeiler, auf dem die Schweizer Wirtschaft steht."

Laut Maurer kommt auch keine Kreditkrise auf die Schweiz zu. Haushalte und Firmen könnten immer noch Geld leihen.

Maurer glaubt, dass die Massnahmen, die in den 1990er-Jahren nach der letzten Kreditkrise in der Schweiz eingeführt worden sind, den stetigen Geldzufluss garantieren.

swissinfo, Matthew Allen, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Das US-Repräsentantenhaus hat am Montag ein Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar für die angeschlagene Finanzindustrie abgelehnt und so die Alarmstimmung auf den globalen Finanzmärkten weiter geschürt.

Der Dow Jones Index verzeichnete den grössten Punktetaucher in seiner Geschichte.

Belgien, Frankreich und Luxemburg gewährten am Dienstag der Dexia-Bank, dem zweitgrössten belgischen Finanzinstitut, eine Finanzspritze in der Höhe von knapp 6,4 Milliarden Euro.

Mit einer umfassenden Staatsgarantie für die Banken des Landes hat die irische Regierung auf den schlimmsten Kurssturz an der Dubliner Börse reagiert.

Der französische Staats- und derzeitige EU-Präsident Nicolas Sarkozy kündigte ein Dringlichkeitstreffen der vier grössten EU-Wirtschaftsmächte in den nächsten Tagen in Paris an, an dem Lösungen für die Finanzkrise erörtert werden sollen.

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Prognosen

KOF hat ihre Erwartungen für 2009 von 1,8% auf 0,3% gesenkt. Für 2010 erwarten die Experten aber wieder ein Wachstum von 1,5%. 2008 soll die Wirtschaft um 1,9% wachsen, entgegen der im Sommer vorausgesagten 2%.

Auch der private Konsum soll von 1,9% 2008 auf 1,1% 2009 fallen. Dafür sollen geringere Lohnerhöhungen und eine höhere Arbeitslosigkeit verantwortlich sein. 2010 soll er wieder auf 1,4% steigen.

Die Prognose der Credit Suisse sieht etwas rosiger aus. Statt 1,9% Wachstum erwarten die Experten 2009 1%. Auch soll weniger Geld in Fusionen und Firmenkäufe gesteckt werden.

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