EADS stellt Drohnenprojekt infrage
HAMBURG (awp international) – Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS droht aus finanziellen Gründen bei einem weiteren Rüstungsprojekt mit dem Ausstieg. Wenn sich Deutschland, Frankreich und Spanien bis zum Sommer nicht auf eine verbindliche Zusage zur Bestellung des unbemannten Aufklärungsflugzeugs Talarion einigten, «müssen wir das Projekt einfrieren», sagte EADS-Rüstungsvorstand Stefan Zoller der «Financial Times Deutschland» (FTD/Montag).
Im Unterschied zum Militärtransporter A400M, bei dem die EADS-Tochter Airbus mit dem Ausstieg droht, wenn die Kundenländer nicht nachträglich weitere Milliarden zahlen, geht es beim Talarion laut Zeitung um die Frage: Wie viel investiert der Konzern für ein Projekt ohne Festauftrag? «Wir entwickeln mit eigenem Geld bis zum Sommer weiter?, sagte Zoller. Das koste rund 100 Millionen Euro.
MILLIARDENINVESTITIONEN NOTWENDIG
Dann lägen die vorläufigen Entwicklungseckdaten für den zweistrahligen Aufklärungsflieger vor. Um danach weiterzumachen, müsse es nach Aussagen des Managers eine verbindliche Zusage geben. Die Entwicklung würde die drei Staaten zusammen 1,5 Milliarden Euro kosten, einschliesslich der Beschaffung von 45 Modellen rund 2,9 Milliarden Euro. Bislang hätten die Staaten 60 Millionen Euro in Talarion investiert.
Branchenkenner sehen der «FTD» zufolge die Gefahr, dass EADS nach dem Ende der Produktion des Kampfjets Eurofighter auf ein Auslastungsproblem zusteuere. Daher seien die Drohnenaufträge notwendig. Derzeit sei die Eurofighter-Produktion nur bis 2015 gesichert. Die Talarion-Auslieferung könnte je nach Zeitpunkt des verbindlichen Auftrags und der technischen Auslegung zwischen 2016 und 2018 erfolgen, sagte Zoller./dct/stw