Entlang der St. Galler Strassen wird immer mehr Müll weggeworfen
Entlang der St. Galler Kantonsstrassen kommt es zu immer mehr Littering. Die weggeworfenen und liegengelassenen Abfälle verursachen gemäss dem Kanton jährliche Kosten von über einer Million Franken.
(Keystone-SDA) «Littering ist ein Problem, das seit Jahren zunimmt und alle betrifft», sagte Regierungsrätin Susanne Hartmann (Mitte) am Freitag in einer Halle des Strassenkreisinspektorats in Gossau SG vor den Medien. Die Probleme, welche der achtlos weggeworfene und liegengelassene Müll verursache, seien vielfältig, führte die Vorsteherin des St. Galler Bau- und Umweltdepartements weiter aus. Sie reichten von einem Sicherheitsrisiko für die Arbeiter, welche entlang stark befahrener Strassen «fätzle» müssen bis hin zu Gefahren für Tiere, die an gefressenen Abfällen sterben können.
Und auch die Kosten sind hoch. 1,2 Millionen Franken gibt das kantonale Strasseninspektorat jährlich aus, um den Abfall entlang der 655 Kilometer Kantonsstrassen zu beseitigen. 4,5 Millionen Franken sind es im Vergleich dazu für sonstige Reinigungen und 3,6 Millionen Franken für die Grünpflege.
Das Beseitigen von Litteringabfällen bindet rund 6500 Personenstunden jährlich. Bedeutet, dass 3 bis 4 Personen pro Jahr alleine mit dem Auflesen und Wegbringen des Mülls beschäftigt sind.
Zeit und Geld, das der kantonale Strasseninspektor Charles Rinderknecht und seine Mitarbeitenden lieber anderweitig einsetzen würden. «Seit zwei Jahren messen wir die Kosten des Litterings. Wir sprechen von 1,2 Millionen Franken, Tendenz steigend und ohne Wertschöpfung.» Viel sinnvoller wäre es gemäss Rinderknecht, das Geld für die Grün- und Landschaftspflege einzusetzen.
Von Munition bis zu Sexspielzeugen
«Unsere Leute würden lieber Haltestellen behindertengerecht umbauen oder Strassen reparieren», sagte dazu Titus Tobler vom Strassenkreisinspektorat St. Gallen. Stattdessen hätten die Mitarbeitenden in jüngster Zeit gemeldet, dass es immer mehr Müll entlang der Strassen gebe.
Die häufigsten Abfälle, welche die Mitarbeitenden gemäss einer Mitteilung des Kantons zusammennehmen, sind Aludosen, Zigarettenstummel und -packungen, PET-Flaschen, Papiertaschentücher, Papier- und Plastiksäcke sowie Verpackungen von Esswaren. Konkrete Zahlen, um wie viel Kilogramm die Abfälle zunahmen, hat der Kanton jedoch nicht. Die gesammelten Abfälle werden weder gewogen noch sortiert, sondern möglichst schnell entsorgt.
An den Rändern der St. Galler Kantonsstrassen liegt auch allerhand Kurioses. «Von Safes, Munition, Bajonetten, Toastern, Sexspielzeugen bis zu Plastikchristbäumen ist wirklich alles dabei», so Tobler weiter. «Mit den gefundenen Dingen könnten Sie einen ganzen Haushalt zusammenstellen.»
Besonders betroffen sind gemäss dem Kanton Strecken ausserhalb von Ortschaften, Autobahnzubringer, Parkplätze, Strassenabschnitte in Wäldern, vor oder nach Tunnels sowie Umfahrungen. Ebenfalls häufig gelittert wird rund um Tankstellenshops oder Take-Away-Geschäfte. Generell gelte: Je höher das Verkehrsaufkommen, desto mehr sind die Orte von Littering betroffen. Saisonale Schwankungen gebe es keine. Dass Abfälle einfach weggeworfen werden, komme das ganze Jahr über vor.
Entgegen dem nationalen Trend
Die Zunahme von Littering entlang der St. Galler Kantonsstrassen läuft dem nationalen Trend entgegen. Dank Öffentlichkeitsarbeit und Präventionskampagnen nimmt das achtlose Wegwerfen in der Schweiz insgesamt ab.
Weshalb ausgerechnet entlang von St. Galler Strassen vermehrt Abfall liegenbleibt, konnten die Verantwortlichen am Freitag vor den Medien nicht genau erklären. Möglich sei, dass die Kombination von zusehends mehr Verkehr und vermehrtem Take-Away-Konsum das Problem verstärkt habe, so Charles Rinderknecht. An Orten wie öffentlichen Spielplätzen und Parks seien die Leute in den vergangenen Jahren stark für die Litteringproblematik sensibilisiert worden, ergänzte Susanne Hartmann. Für Abfall entlang der Strasse fehle die entsprechende Sensibilität vielleicht.
Damit auch St. Gallen künftig dem nationalen Trend folgt, startet der Kanton mit einer neuen Kampagne gegen Littering. Diese setzt auf die Sozialen Medien, vermehrte Öffentlichkeitsarbeit sowie Tafeln entlang der Kantonsstrassen. «Was wir auch schon diskutiert haben, ist kontraproduktiv zu sein und einfach mal zwei Monate nicht aufzuräumen entlang der Strassen», sagte Charles Rinderknecht. «Davon sehen wir aber ab.»