EU-Gericht verbietet Pestizid von Syngenta

NGO-Protest vor dem Syngenta-Haupttsitz in Basel vom Februar 2007. Keystone

Ein EU-Gericht hat den Unkrautvertilger Paraquat des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta verboten. Das Pestizid wurde unter ungenügendem Schutz in Drittweltländern verwendet.

Die Schweizer Nichtregierungs-Organisation Erklärung von Bern, die jahrelang für ein Verbot des Produktes kämpfte, bezeichnete den Gerichtentscheid als einen "Meilenstein".

Das Gericht erster Instanz gab den EU-Staaten Recht, welche den ungenügenden Schutz von Mensch und Tier beanstandet hatten.

Es kritisierte in seinem Urteil vom Mittwoch die Zulassung des Mittels durch die EU-Kommission im Jahr 2003. Diese habe die Gesundheitsauswirkungen nicht gründlich genug untersucht.

Damit dürfe Paraquat, das vor allem unter dem Markennamen Gramoxone bekannt ist, vorläufig nicht mehr in der Europäischen Union verkauft werden.

Syngenta überrascht

Des Basler Chemiekonzern zeigte sich vom negativen Verdikt - und auch vom verhängten sofortigen Verkaufsverbot - überrascht. Man werde "mit den Regulierungsbehörden und der Kommission kooperieren, um die verfahrensrechtlichen Implikationen der Entscheidung und die Bedenken des Gerichts zu verstehen", schrieb Syngenta in einer Mitteilung.

Das Unternehmen verfüge über umfassende Daten, welche die sichere Anwendung von Paraquat für Anwender, Konsumenten und die Umwelt stütze. Das Mittel werde seit rund 60 Jahren hergestellt und in weltweit mehr als 100 Ländern verkauft, betonte das Unternehmen weiter.

Zuvor in mehreren EU-Staaten verboten

Bis zur EU-weiten Zulassung durch die EU-Kommission 2003 war Paraquat unter anderem in Schweden, Dänemark, Österreich und Finnland verboten gewesen - daher reichten diese Staaten gegen die damalige Entscheidung der EU-Kommission Klage ein. Die EU-Kommission kann dagegen ihrerseits nun Berufung einlegen.

Kritiker verweisen darauf, das Paraquat als sehr giftig und umweltgefährlich eingestuft ist und sich nicht sicher einsetzen lasse. Beim Versprühen habe die Chemikalie wiederholt die Lungen, Haut und Augen von Arbeitern geschädigt, hiess es.

Seit Ende Dezember 1989 war Paraquat in der Schweiz nicht mehr erlaubt.

Zufriedene NGO

Anfang Mai hatte die Erklärung von Bern (EvB) zusammen mit asiatischen Nichtregierungs-Organisationen (NGO) eine Beschwerde bei der UNO-Welternährungsorganisation FAO eingereicht.

"Das Urteil des EU-Gerichts ist ein grosser Sieg für Schweden, die Zivilgesellschaft und die Entwicklungsländer", sagte EvB-Sprecher Oliver Classen gegenüber swissinfo.

"Syngenta hatte bisher immer erklärt, was in der EU nicht verboten sei, könne nicht schlecht sein. Mit diesem Argument ist jetzt Schluss. Es ist ein Meilenstein der langen und schrecklichen Geschichte des Verbots für die Substanz."

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Basler Konzern Syngenta ist weltweit die Nummer 1 im Pflanzenschutz und Nummer 3 beim hochwertigen kommerziellen Saatgut.
2006 erhöhte Syngenta den Reingewinn um 12% auf 872 Mio. Dollar (1,05 Mrd. Fr.).
1996 fusionierten die Schweizer Chemie-Giganten Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis.
Syngenta ist im Jahr 2000 aus der Fusion der Pflanzenschutz-Abteilung von Novartis und der britischen AstraZeneca entstanden.
Syngenta beschäftigt 19'000 Personen in 90 Ländern.

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Paraquat-Debatte

Laut Kritikern können beim Mischen und Versprühen von Paraquat kurfristig giftige Wirkungen auftreten. Die Chemikalie führe oft zu Nasenbluten, Schwindel und Hautverbrennungen.

Bei chronischer Arbeit mit Paraquat können Lungen, Nervensystem und Gehirn beschädigt werden. Epidemiologische Studien haben nachgewiesen, dass bei Menschen, die während längerer Zeit niedrigen Dosen von Paraquat ausgesetzt sind, das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöht wird.

Syngenta sagt, dass Gramoxone von führenden internationalen Organisationen gekauft werde. Bei Gebrauch nach Vorschriften gebe es keine Sicherheitsrisiken.

Laut Syngenta macht die physikalische Zusammensetzung des Produkts den Umgang damit sicher, sofern die Gebrauchsanweisungen befolgt und die erforderliche Schutzkleidung verwendet werde.

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