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Europas UNHCR-Direktor kritisiert Debatten über Asylbewerber

(Keystone-SDA) Der Schweizer Daniel Endres leitet seit drei Monaten das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Europa. Er kritisiert die «teilweise menschenunwürdigen Debatten» über Asylbewerber in der Schweiz und in Europa.

«In Europa steht das UNHCR vor einer der grössten Herausforderungen in seiner Geschichte», sagt der 53-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. «Die Asyldebatte, die heutzutage in Europa stattfindet, verkennt zumindest zum Teil die Grundlagen der Menschenrechte.» Die grundsätzliche Solidarität mit Flüchtlingen werde in Frage gestellt.

Auch in der Schweiz: «Als Schweizer fühle ich mich besonders betroffen. Ausländer werden hier in einer Art und Weise porträtiert, die für mich zum Teil menschenunwürdig ist», sagt er. «Ich kann nicht verstehen, wie das in der Schweiz, die weltweit einen so unglaublich guten Ruf hat, passieren konnte.»

Diese «Krise», wie Daniel Endres die Stimmung in Europa nennt, spüre das UNHCR auch konkret beim Resettlement, den Versuchen, in armen Ländern gestrandete Flüchtlinge in sicheren Ländern unterzubringen: Es brauchen gemäss UNHCR fast 800’000 Flüchtlinge eine neue Heimat. Nur ein Zehntel dieser Leute könne dieses Jahr untergebracht werden, sagt Endres. Europa insgesamt nehme ein paar Tausend auf.

Zu Endres‘ Aufgaben gehört es, die Länder Europas von einer verstärkten Zusammenarbeit mit dem UNHCR zu überzeugen. Auch mit der Schweiz laufen Gespräche: Die von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen 300 Flüchtlinge pro Jahr seien wohl nicht möglich. Justizministerin Simonetta Sommaruga kann aber als Departementschefin in Eigenregie pro Jahr 100 Personen aufnehmen. «Wir geben die Hoffnung auf eine Lösung nicht auf», sagt Endres.

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