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Familienmensch Anne Speiser wird höchste Bernerin

Keystone-SDA

"Im nächsten Jahr bin ich keine politische Person." So beschreibt Anne Speiser den bevorstehenden Höhepunkt ihrer politischen Laufbahn. Als Präsidentin des bernischen Grossen Rats wird die SVP-Frau ihre Rolle als Parteipolitikerin ablegen müssen.

(Keystone-SDA) Weg von der Parteipolitik, hin zur neutralen Sitzungsleiterin: Am ersten Tag der Sommersession wird Anne Speiser aller Voraussicht nach zur Grossratspräsidentin gewählt. Wer dieses Amt bekleidet, muss sich aus den Debatten heraushalten und sollte alle im Saal gleich behandeln.

Für die 64-Jährige bedeutet der Rollenwechsel eine grosse Umstellung. Seit 2014 ist sie Mitglied des Grossen Rats. Zudem war sie während 20 Jahren Lokalpolitikerin in Zweisimmen: zwölf Jahre als Gemeinderätin, acht Jahre als Gemeindepräsidentin.

Speiser zweifelt nicht daran, dass ihr der Wechsel gelingen wird, wie sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt. Sie möge Menschen und sei an anderen Meinungen interessiert, Empathie spiele in ihrem Leben eine grosse Rolle. Zudem werde sie als bilingue Person den gesamten Kanton «bestens vertreten und verstehen».

Kein Zurück mehr aus Zweisimmen

Die gelernte Laborantin stammt aus einem 700-Seelen-Dorf im Elsass. 1980 trat sie eine Stelle in Basel an, fünf Jahre später zog sie mit ihrem Mann in ihre Wahlheimat Zweisimmen. Sie wollten eigentlich nur zwei Jahre bleiben. «Ich wurde gewarnt, die Bergler seien engstirnig. Aber wer auf sie zugeht und sich Zeit nimmt, der wird aufgenommen.» Und dann gebe es kein Zurück mehr.

Speiser kommt im Gespräch immer wieder auf «den Menschen» zu sprechen. Sie sei immer am Menschen hinter einer Person interessiert. «Das macht es mir leichter, über schwierige Themen zu debattieren.» Und es spiele viel weniger eine Rolle, nicht einer Meinung zu sein. «Das sind wir nicht einmal in meiner Familie.»

Die Familie ist für Speiser ein hohes Gut. Sie stammt aus einer Grossfamilie, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder, schon bald kommen zwei weitere Enkel hinzu. Sie sei bis heute ein Familienmensch, «zweihundertprozentig».

Dass sie zur Politik fand – auch das hat mit Familie zu tun, wie sie sagt. Ihr Urgrossvater und ihr Grossvater waren im Elsass Bürgermeister, «maires». «In einem kleinen Dorf müssen alle irgendwann anpacken.» Ihr erstes Amt bekleidete sie in der Schulkommission in Zweisimmen.

Das Ratspräsidium als Dankeschön

In ihren zwölf Jahren als Grossrätin lagen ihre Schwerpunkte vor allem in der Gesundheitspolitik. Als gebürtige Französin könne sie nachvollziehen, was es bedeute, «wenn die Dienstleistungen in einer Region abgebaut werden», womit sie auch die Spitalsituation im Oberland anspricht. Gerade ältere Leute seien aufgeschmissen, «wenn alles weggespart und wegzentralisiert wird.»

Zunächst wird ihr Fokus aber auf dem Ratsbetrieb und dem Leiten der Sitzungen liegen. Das Amt als höchste Bernerin sei eine grosse Ehre und ein Dankeschön für ihre zwölf Jahre im Grossen Rat. Sie sei gespannt, was sie alles entdecken werde. «Ich freue mich extrem auf die Begegnungen mit zahlreichen Menschen.»

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