Feldschlösschen konzentriert sich künftig auf Immobilienbereich
Der Feldschlösschen-Konzern kann seinen Getränkebereich verkaufen. Nach einer fünfstündigen Generalversammlung genehmigte am Montagabend (22.05.) eine Mehrheit von 73,9 Prozent der Aktionäre die Umwandlung in eine reine Immobiliengesellschaft.
An der Generalversammlung in der Messe Basel nahmen deutlich weniger Aktionäre teil als erwartet. Die 2’127 anwesenden Aktionäre hielten 62,7 Prozent des Aktienkapitals im Nennwert von 49,6 Mio. Franken.
Der Entscheid fiel mit 73,9 Prozent oder 917’729 Ja-Stimmen zu 20,1 Prozent oder 249’356 Nein-Stimmen deutlich aus. Zur Genehmigung wären 827’983 oder zwei Drittel der an der Versammlung vertretenen Stimmen nötig gewesen.
Mit dem Verkaufsentscheid verbunden ist eine Änderung des Gesellschaftszwecks. Für Verwirrung hatte zuvor ein falsches Resultat bei der Abstimmung über die Entlastung des Verwaltungsrats gesorgt.
Wegen Computerproblemen mussten die Stimmen von Hand nachgezählt werden; auch die Auszählung der Stimmzettel für die entscheidende Abstimmung erfolgte von Hand.
Verwaltungsratspräsident Jeker bezeichnete zu Beginn der Versammlung den Verkauf des Getränkebereichs als zwingend und warnte die Aktionäre vor einer Blockierung dieses Schrittes.
Er nannte dabei vor allem die hohe Verschuldung des Konzerns von 600 Mio. Franken. Der Alleingang auf längere Zeit sei nicht realistisch, denn die gleichzeitige Restrukturierung des Getränketeiles und die Entwicklung des Immobilienteiles seien nicht finanzierbar.
Allein zur Weiterentwicklung der Immobilien müssten weitere 300 Mio. Franken investiert werden. «Das Resultat der Blockierung der Gesellschaft durch eine Minderheit wäre ein Chaos mit verheerenden Auswirkungen auf das Unternehmen, die Arbeitsplätze, die Marken, den Unternehmenswert und damit auf den Aktienkurs von Feldschlösschen», betonte er.
Jeker erwähnte in seiner Rede zudem zum ersten Mal, dass nicht nur mit ausländischen Grosskonzernen, sondern auch mit Schweizer Firmen verhandelt wird.
Kleinaktionäre unterlagen
Heftige Opposition erwuchs dem Verwaltungsrat in zahlreichen emotionalen Voten von Kleinaktionären, die sich in der «Aktion pro Feldschlösschen» organisiert hatten.
Der Zürcher Wirtschaftsanwalt Rudolf P. Schaub stellte die Glaubwürdigkeit des Verwaltungsrates in Frage und warf ihm vor, von einem «Verhökerungsvirus» befallen zu sein.
Der Aargauer SVP-Ständerat Maximilian Reimann erlärte, es dürfe nicht zugelassen werden, dass ein Unternehmen, das sich in über 100 Jahren zum schweizerischen Marktleader emporgeschwungen habe, das Herzstück ins Ausland verkaufe.
Grossaktionäre des Feldschlösschen-Konzerns sind die Holding des Zuger Rohstoffhändlers Marc Rich, die Luzerner Eichhof-Gruppe sowie verschiedene Pensionskassen.
Das Biergeschäft soll unter Führung der Investmentbank Credit Suisse First Boston in einer internationalen Auktion verkauft werden. Das Mineralwassergeschäft wird möglicherweise separat abgestossen.
swissinfo und Agenturen
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