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Flurbereinigung bei den Online-Brokern

Die Schweizer Internet-Finanzportale kämpfen nach wie vor ums Überleben. Keystone Archive

Die Online-Broker in der Schweiz haben sich gehörig verrechnet und in den letzten drei Jahren etliche Millionen in den Sand gesetzt.

Deshalb findet in der Branche eine Flurbereinigung statt. Jüngstes Opfer ist Youtrade der Credit Suisse.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Während des Internet-Booms 1999 rechnete man in der Schweiz noch mit 500’000 potenziellen Online-Broker-Kunden. Heute zählt der Markt nach Angaben des Marktführers Swissquote rund 140’000 Kunden, wovon 100’000 ihr Konto auch regelmässig nutzen.

Notbremse gezogen

Internetbroker und -Finanzportale, die zu Zeiten der Börsen-Euphorie wie Pilze aus dem Boden schossen, fehlt heute nach Verlusten und wegen der zweijährigen Börsenbaisse vielfach die Geschäftsgrundlage. Der Goldrausch ist vorbei. Die Betreiber ziehen die Notbremse.

Als erste schloss unter grossem Getöse die Vontobel-Gruppe Ende Februar 2001 ihre Internetbank Y-O-U. Drei Spitzenmanager mussten ihren Hut nehmen. Der entstandene Schaden wurde auf rund 250 Mio. Franken beziffert.

Jüngstes Beispiel ist die Credit Suisse Group. Sie stellt ihre Online-Plattform Youtrade, die 1999 als erste in der Schweiz lanciert wurde, auf 31. Januar 2003 ein. Der Grund dafür sind markante Rückgänge der Transaktionen und massiv gesunkene Erträge.

Trotz eines stetigen Anstiegs der Nutzer auf zuletzt 29’600 ging die Zahl der Transaktionen im Gleichschritt mit der Börsenentwicklung im laufenden Jahr um rund die Hälfte zurück. Angaben über den Verlust von Youtrade werden keine gemacht. CS-Sprecher Georg Söntgerath sagte, unter dem Strich entstünden durch die Einstellung von Youtrade Einsparungen von 10 Mio. Franken.

Kleiner Käuferkreis

Die CS überführt Youtrade in ihre e-Banking-Gesellschaft direct-net. Youtrade sei u.a. nicht verkauft worden, weil der Markt sich derzeit konsolidiere und der Käuferkreis sehr klein sei, sagte Söntgerath.

Nach einem kurzen Gastspiel von lediglich 7 Monaten wurde Ende Juli die Schliessung von redsafe angekündigt. Die Rentenanstalt/Swiss Life hat einen Partner für ihr Finanzportal gesucht, jedoch keinen gefunden. Das allgemeine wirtschaftliche Umfeld habe sich in den letzten Monaten rapide verschlechtert, hiess es als Begründung. Ursprünglich sollte redsafe bereits Ende 2004 mit 50’000 Kunden schwarze Zahlen schreiben.

Mehr Glück hatte Consors (Schweiz). Swissquote übernahm Mitte Oktober Consors (Schweiz) rückwirkend auf den 1. Oktober von der französischen Grossbank BNP Paribas. Die Aktivitäten von Consors sollen bis Ende März 2003 in Swissquote integriert werden.

Rote Zahlen auch bei Marktleader Swissquote

Die um Consors erweiterte Swissquote wird nach Angaben von Swissquote mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent die Marktführerschaft einnehmen. Heute gebe es in der Schweiz rund ein Dutzend Online-Broker, wovon sich die fünf Grössten rund 80 Prozent des Marktanteils teilten.

Doch selbst Marktleader Swissquote steckt immer noch tief in den roten Zahlen. Im 3. Quartal 2002 entstand ein Reinverlust von 2,4 Mio. Franken. Ursprünglich wollte Swissquote bereits 2001 schwarze Zahlen schreiben.

Laut Swissquote-Chef Marc Bürki muss ein Online-Broker mindestens 50 Mio. Franken für eine Handelsplattform und weitere 15 Mio. für die jährlichen Fixkosten aufwenden. Rund 20’000 Kunden seien nötig, um die Kosten zu decken. Swissquote kommt mit den 13’000 bisherigen Consors-Kunden neu auf 21’000 Kunden.

Deutlich unter dieser Nutzerzahl liegt die UBS mit ihrem Online- Broker Tradepac. Lediglich 8000 Kunden nutzen laut UBS-Sprecher Serge Steiner Tradepac. Im laufenden Jahr habe es bei fast stabilen Nutzerzahlen lediglich einen leichten Rückgang bei den Transaktionen gegeben. Die UBS überprüfe ihr Angebot dauernd, Tradepac sei aber nicht im Gespräch.

swissinfo und Agenturen

Online-Broker-Sterben:
2001: Vontobel Y-O-U, Schaden 250 Mio. Fr.
2002: Rentenanstalt redsafe, Schaden unbekannt
2002: Consors (Schweiz) wird von Swissquote übernommen

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