«Wir sind in Gedanken bei euch» – So bewegt reagieren Auslandschweizer auf Crans-Montana
Die Schweiz begeht am 9. Januar einen nationalen Trauertag für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Auch in der «Fünften Schweiz» hat die Katastrophe tiefe Betroffenheit ausgelöst. Ein Blick in das digitale Kondolenzbuch des Bundes und auf die sozialen Medien zeigt: Schweizerinnen und Schweizer im Ausland drücken ihre Trauer und ihre Verbundenheit mit der Heimat auf allen Kontinenten aus.
Wenn am Freitag die Kirchenglocken in der Schweiz läuten und das Land für eine Schweigeminute innehält, werden auch in London, New York und Sydney Menschen für einen Moment still verweilen. Der Bundesrat hat den Tag zum nationalen Trauertag erklärt, um der 40 Todesopfer zu gedenken, die in der Silvesternacht in einem Nachtclub in Crans-Montana ihr Leben verloren.
Für die über 826’000 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer spielt die geografische Distanz in diesen Tagen keine grosse Rolle. Das digitale Kondolenzbuch der EidgenossenschaftExterner Link ist zu einem globalen Mahnmal geworden, in dem die Stimmen der Diaspora die tiefe Verbundenheit mit der Heimat bezeugen.
«Mein Schweizer Herz ist zutiefst berührt»
Die Nachrichten aus der Neujahrsnacht haben die Swiss-Abroad-Community schwer getroffen. Aus Paris schreibt ein Auslandschweizer: «Auch aus der Distanz berührt mich, was in Crans-Montana passiert ist, zutiefst. Es sind zerbrochene Leben und Familien, die für immer gezeichnet sind.» Er unterstreicht, dass dieser Schmerz keine Grenzen kennt.
Dieses Gefühl von grenzenlosem Leid zieht sich durch Hunderte von Einträgen. Eine Schweizerin aus Frankreich beschreibt, wie ihr in der Schweiz geborenes Herz von der Tragödie zerrissen wird. Für viele ist Crans-Montana nicht nur ein bekannter Ferienort, sondern ein Ort der Identität. Eine nach Sydney ausgewanderte Walliserin schreibt: «Ich kenne diese Orte aus meiner Jugend… es ist ein Alptraum, aus dem man nicht aufwacht».
Mehr
Das Inferno von Crans-Montana führt die Schweiz an die Grenzen ihres Systems
Der Schmerz ist global – von Bangkok über Kabul bis nach New York
Die geografische Streuung der Beileidsbekundungen ist beispiellos. Ein Auslandschweizer aus New York City wünscht Kraft für die «dunklen Stunden», während ein Ausgewanderter aus Japan schreibt: «Selbst am anderen Ende der Welt fühle ich mich tief betroffen von dem, was in Crans-Montana passiert ist.» In Dubai schliesst sich eineAusgewanderte den Trauernden an, und eine Swiss Abroad aus Teneriffa ergänzt: «Als Auswanderer ist es fast nicht auszuhalten, wenn wir die Bilder im TV sehen».
Selbst aus Afghanistan meldet sich ein Auslandschweizer: «Als Menschen, die täglich Leben retten und Hoffnung geben, spüren wir die Schmerzen dieser Katastrophe besonders intensiv. … Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen.»
Auch Nachfahren früherer Ausgewanderten äussern ihre Anteilnahme. Aus Ancud in Chile schickt ein Nachkomme eine Umarmung: «von einem direkten Nachkommen Schweizer Auswanderer». Das zeigt: Die emotionale Brücke zur Schweiz bleibt selbst über Generationen hinweg bestehen.
Mehr
Der Newsletter für alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Solidarität als Brücke in der Dunkelheit
Neben dem individuellen Schmerz zeigt sich auch die Solidarität der Schweizer Gemeinschaft im Ausland. David W. Mörker, Vizepräsident der Auslandschweizer-Organisation (ASO)Externer Link, schreibt: «Selbst über Ozeane und Kontinente hinweg bindet uns der Schweizer Geist zusammen – in der Trauer, im Mitgefühl und in der Widerstandsfähigkeit».
In London wird die Swiss ChurchExterner Link am Trauertag ihre Türen öffnen, «um einen Raum für Gebet und Reflexion zu bieten». Die Londoner Gemeinde schliesst sich der nationalen Schweigeminute an und überträgt die Gedenkfeier aus Martigny per Livestream.
Diese Walliser Gemeinde im Rhonetal wurde ausgewählt, da sie die Möglichkeit bietet, die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die für den Empfang der anwesenden Staatschefs notwendig sind.
Es ist eine Mischung aus tiefer Trauer um die «verlorene Jugend» – viele der Opfer waren erst zwischen 14 und 25 Jahre alt – und dem Willen zum Zusammenhalt, welche die Schweizer Community im Ausland derzeit zu prägen scheint.
Tausende Kilometer von der Heimat entfernt verfolgen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer den Trauertag mit. Das digitale Kondolenzbuch und die vielen Einträge auf den sozialen Medien zeigen deutlich: Die Verbundenheit zur Heimat und das Mitgefühl reichen rund um den Globus.
Editiert von Samuel Jaberg
Mehr
Feuerdrama in Crans-Montana: Das ist bekannt
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch