Roche: Umbau der letzten Jahre
Der Basler Roche-Konzern (gegründet von Fritz Hoffmann-La Roche 1896) ist durch Übernahmen gewachsen. Auch Krisen haben die Geschichte des nach wie vor mehrheitlich im Familienbesitz stehenden Unternehmens aber von Anfang an geprägt.
Bereits 1996 war Roche im Zusammenhang mit der Fusion der beiden führenden Basler Konkurrenten Ciba und Sandoz zur Novartis als Kandidat für eine noch grössere Fusion gehandelt worden. Der am vergangenen 7. Mai bekannt gewordene Einstieg des Konkurrenten Novartis mit 20 Prozent beflügelte die Fusionsfantasien erneut. Roche weist Fusionspläne aber nach wie vor zurück.
Im Jahre 2000 setzte Roche 27,5 Mrd. Franken um. Der Konzerngewinn wurde im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf den neuen Rekordstand von 8,647 Mrd. Franken gesteigert. Dennoch sind die Finanzanalysten mit Roche nicht zufrieden. Der Umsatz im Pharmageschäft wird als ungenügend, die Produkte-Pipeline als dünn bezeichnet. Die Hoffnungen, mit der Anti-Fett-Pille Xenical einen neuen Verkaufsrenner lanciert zu haben, gingen bisher nicht in Erfüllung.
Markante Ereignisse der jüngsten Geschichte des Unternehmens waren 1994 und 1997 die Grossübernahmen von Sintex und Boehringer Mannheim. Nach dem Spin-off des Riechstoffteils von Givaudan reduzierten sich die Geschäftsbereiche letztes Jahr auf Pharma, Diagnostika sowie Vitamine und Feinchemikalien. Roche brillierte immer wieder mit profitträchtigen Finanztransaktionen. Beträchtliche Imageschäden erlitt das Unternehmen umgekehrt 1976 durch die Chemiekatastrophe im italienischen Seveso und 1999 wegen des in den USA aufgeflogenen Vitaminkartells.
Bis zum Jahre 1989 war Roche unter den Schweizer Industriegesellschaften insofern ein Unikum gewesen, als das damals noch als F.Hoffmann-La Roche firmierende Unternehmen ein Aktienkapital von bloss 50.000 Franken hatte. Trotz des neuen Kapitalkleids blieb die Struktur von Roche mit dem beherrschenden Aktionärspool der Gründerfamilien den Börsianern ein Dorn im Auge.
Zuletzt biss sich BZ-Bankier Martin Ebner mit der Forderung nach Einführung der Einheitsaktie und Einsitznahme im Verwaltungsrat die Zähne aus. Er verkaufte deshalb sein Roche-Paket für knapp fünf Milliarden Franken an Novartis.
swissinfo und Agenturen
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