Überalterung – wer bezahlt’s?
Wir leben auf Kosten der kommenden Generationen, die morgen die Rechnung von heute bezahlen werden müssen. Dies zeigt die erste so genannte Generationen-Bilanz der Schweiz, die wenig populäre Gegenmassnahmen vorschlägt.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) hat am Freitag (01.06.) die Resultate der ersten für die Schweiz erstellten Generationenbilanz vorgestellt und in die politische Diskussion eingebracht. Mit der neuen Methode seien Aussagen darüber möglich, wie nachhaltig die heutige Finanz- und Sozialpolitik sei respektive Lasten auf künftige Generationen übertrage, führte Staatssekretär David Syz aus.
Die heutige Generation muss wissen, was sie tut
Die Schweiz werde in einigen Jahren eine der höchsten Alterslast-Quotienten aufweisen. Das bedeutet, dass immer weniger Erwerbstätige für stets mehr Rentner aufkommen müssten. Syz will sich dafür einsetzen, das Instrument der Generationen-Bilanzen in der Schweiz einzuführen und regelmässig anzuwenden. Das brächte konkrete Zahlen in die politische Willensbildung ein, die bisher gefehlt hätten, so Syz. Den heutigen Wählern müssten die Konsequenzen ihrer Entscheide auf die zukünftigen Generationen klar werden, da diese selber kein Wahl- und Stimmrecht besässen.
Die Resultate der Studie
Die erste Generationenbilanz für die Schweiz – für zwölf EU-Staaten existiert sie bereits – wurde von Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg im Breisgau erstellt. Nach Raffelhüschens Szenario weist die Schweiz für die nachfolgenden Generationen eine belastende Nachhaltigkeitslücke auf: Die Untersuchung zeigt, dass die bisher ausgewiesene Verschuldung von 36% des Bruttoinlandproduktes (BIP) bei Einbezug aller für das Generationenkonto relevanten Faktoren in Wirklichkeit doppelt so hoch ist. Die wahre Staatsverschuldung – die Nachhaltigkeitslücke – betrage somit satte 75% des BIP.
Um dieses Finanzloch zu stopfen, müssten alle nach 1997 geborenen Generationen während ihres ganzen Lebens rund 66’000 Franken mehr an Steuern und Abgaben leisten als die Generation vorher.
Wer bezahlt die Rechnung?
Raffelhüschen sieht drei mögliche Szenarien, um zu einer ausgeglichenen Generationenbilanz zu kommen: Erstens könne der Steuersatz bei allen zukünftigen Generationen einheitlich um 11,4% erhöht werden. Wolle man dies unseren Nachkommen nicht zumuten, könnten die Steuern sowohl für alle zukünftigen als auch für alle jetzt lebenden Generationen angehoben werden. Eine Erhöhung der Steuerun um 4,1% würde dann genügen. Will man auch dies nicht, so bleibt laut Raffelhüschen nur noch eine Möglichkeit: die Sozialleistungen gesamthaft um 4,1% zu kürzen.
swissinfo und Agenturen
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