Umweltfreundliche Bahn – doch nur mit Lärmschutz
Will die Bahn gegenüber dem Strassenverkehr ihren grossen Umweltvorsprung behalten, muss sie ihren Spielraum für Massnahmen beim Lärmschutz wesentlich mehr ausnutzen.
Eine am Dienstag (29.05.) in Bern vorgestellte Umweltstudie der ETH in Zusammenarbeit mit den SBB hat weitere Möglichkeiten zur Reduktion des Lärms ausgemacht.
Die von Umwelt-Naturwissenschaftlern der ETH Zürich erarbeiteten Fallstudien kommen zum Schluss, dass sich der grosse ökologische Vorsprung der Bahn auf die Strasse wegen strengerer EU-Abgasvorschriften für den Schwerverkehr verringert. Zudem schaffe die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA auch Anreize, unnötige Leerfahrten zu vermeiden.
Beim Lärm noch viel Reduktion möglich
Dieser schmelzende ökologische Vorsprung der Bahn werde aber kompensiert, wenn die Umweltfolgen des Lärms einbezogen werden. Die Untersuchungen der ETH Zürich hätten hinsichtlich der Lärmbelastung nur geringe Unterschiede zwischen der Strasse und der Schiene ergeben. Deshalb besteht bei der Lärmbelastung ein grosses Reduktions-Potenzial, wie Harald Mieg, Professor für Mensch-Umwelt-Beziehungen an der ETH Zürich, feststellte.
Setze die SBB AG ihre Lärmschutz-Massnahmen konsequent weiter um, werde die Umweltbelastung der Bahn, gemessen unter Einbezug vom Lärm, deutlich geringer als beim Strassenverkehr. Lärm verursacht Stress und Schlafstörungen und leistet laut Mieg einen bedeutenden Beitrag an die Gesamt-Umweltbelastung.
Gegenwärtig investiert der Bund bis zum Jahr 2015 rund 1,85 Mrd. Franken in die Lärmsanierung der Schweizer Bahnen.
Ökobilanz der Bahn weiterhin halb so hoch
Die Untersuchungen und Berechnungen haben im weiteren ergeben, dass ein höherer Bahnanteil in allen untersuchten Transportketten zu einer besseren Ökobilanz führt. So verursacht ein Bahntransport nur etwa 50 bis 75 Prozent der Umweltbelastung eines vergleichbaren Lastwagen-Transports. Ein höherer Bahnanteil führe auch immer zu einer besseren Öko-Effizienz, sagte Mieg.
Teurerer Ökostrom wäre recht gut akzeptiert
Eine weitere Erhebung bei 2’446 Zugsreisenden in allen Teilen der Schweiz hat zudem ergeben, dass mit 58,4 Prozent weit mehr als die Hälfte der Befragten bereit ist, einen gewissen Aufschlag für Ökostrom zu entrichten. Von den Zahlungswilligen wären 83 Prozent bereit, einen pauschalen Zuschlag von 50 Rappen pro Billett zu zahlen. Nur gerade 39 Prozent würden einen Zuschlag von zehn Prozent auf den jeweiligen Billettpreis akzeptieren.
swissinfo und Agenturen
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