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Flüchtlingskrise Schweizer Blockchain-Plattform gibt Rohingya eine ID

A Rohingya mother and child

Ohne formelle ID ist es für Rohingya-Flüchtlinge schwierig, Zugang zu staatlicher Hilfe zu erhalten.

(Keystone)

Zusammen mit einer Nichtregierungs-Organisation will die Schweizer Plattform für digitale Identität, Procivis, 3,5 Millionen aus Myanmar vertriebene Rohingya identifizieren. Die Flüchtlinge sollen dank einer elektronischen ID Zugang zu grundlegenden Menschenrechten erhalten.

Nach Angaben der Nichtregierungs-Organisation Rohingya-Projektexterner Link trug ein Erlass der myanmarischen Regierung (damals Burma) im Jahr 1982 zur Verschlimmerung der Lage der Rohingya bei. Dieser entzog der ethnischen Minderheit praktisch die Staatsbürgerschaft und schloss sie vom Besitz offizieller staatlicher Dokumente aus.

Muhammad Noor ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Rohingya-Projekts. "Als Rohingya weiss ich, was es bedeutet, einer staatenlosen Bevölkerung anzugehören. Für uns ist eine digitale Identität nicht einfach nur nett zu haben. Sie ist eine dringende Notwendigkeit. Hätte es diese Möglichkeit bereits 1982 gegeben, wäre unserem Volk viel erspart geblieben", wird er in einer gemeinsamen Erklärung von Procivic und Rohingya-Projekt zitiert.

Fünfstufiger Verifizierungs-Prozess

Weil ihnen ein formaler Ausweis fehle, sei es für Rohingya-Flüchtlinge oft unmöglich, staatliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Procivisexterner Link hat einen fünfstufigen Verifizierungs-Prozess entwickelt, der den Rohingya eine digitale Identifikation ermöglicht. Für Procivis sei die Partnerschaft mit Rohingya-Projekt die erste gemeinnützige Initiative, schreibt das Unternehmen. Sie stehe im Zeichen der Vision von Procivis, allen Menschen Zugang zu einer sicheren digitalen Identität zu ermöglichen.

Mehr Kontrolle mit Internet 2.0?

Nach Angaben der Weltbank gibt es weltweit rund 1,1 Milliarden Menschen, die ihre Identität nicht nachweisen könnenexterner Link. Die Initiative "Identification for Development" (ID4D) soll dazu beitragen, das Ziel der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, bis 2030 allen Menschen in der Welt einen legalen Ausweis zu geben.

Auch andere Organisationen wie das UNO-Welternährungsprogramm nutzen die Blockketten-Technologie, um die schwierigen Bedingungen der Flüchtlinge zu bekämpfen. Blockchain ist eine dezentral verschlüsselte Datenbank, die als Internet 2.0 bezeichnet wird. Sie verspricht dem Einzelnen mehr Kontrolle über seine Daten und Peer-to-Peer-Transaktionen, wodurch Zwischenhändler und Gebühren eingespart werden.


(Übertragung aus dem Englischen: Kathrin Ammann)

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