Forschende setzen 3D-gedruckte Labor-Ohren in Rattenhaut ein
Laut einer in der Zeitschrift "Advanced Functional Materials" erschienenen Studie konnte nach zehn Jahren Forschung das erste laborerzeugte Ohr implantiert werden. Das Fazit: Trotz grossem Erfolg muss das Gewebe noch stabiler werden.
(Keystone-SDA) Während sechs Wochen konnte der künstliche Ohrknorpel, der in die Haut von Ratten eingesetzt wurde, seine Form behalten. Damit kam das Team, bestehend aus Forschenden der ETH Zürich, des Friedrich Miescher Institutes in Basel und des Luzerner Kantonsspitals, dem Ziel, ein Ohr im Labor herzustellen, ein beachtliches Stück näher.
Bevor sie den Ratten implantiert wurden, sind die Ohren rund neun Wochen im Labor herangereift: Erst liessen Forschende Zellen von millimeterkleinen Gewebestücken weiterwachsen, danach wurden sie von einem 3D-Drucker zu einem Ohr geformt. Weil die künstlich erzeugten Ohren sehr weich aus dem Drucker kommen, werden sie in einem Brutkasten mit Nährstoffen aufgepäppelt, bis sie fest genug sind.
Das Rezept für eine stabile Ohrform liege in einem biologischen Bauplan – den müssen Forschende erst entschlüsseln. Bei der Suche brauche es viel Geduld. Ausserdem dauere jedes Experiment mehrere Monate. Innerhalb der nächsten fünf Jahre hoffen sie, es zu finden. «Wenn alles gut läuft,» so die Prognose von Philipp Fisch, dem Erstautor der Studie.
Seit zehn Jahren arbeiten Forschende bereits daran. Doch bei der Herstellung von Gewebe seien Fortschritte selten schnell sichtbar. Auf der Seite der Betroffenen sei das Interesse gross: «Kaum war die Studie erschienen, erhielt ich eine Nachricht von Eltern eines Kindes mit Mikrotie», sagte Fisch.
Die Forschung sei relevant: Immer wieder verlieren Menschen bei Bränden oder Unfällen Teile von Ohren. Auch leiden ungefähr 10’000 Kinder unter angeborenen Fehlbildungen. Für die Nachbildung werden heute Rippenknorpel verwendet – diese Eingriffe sind aber schmerzhaft und können Narben oder Verformungen verursachen. Ausserdem sind die künstlichen Ohren häufig steifer, als es natürliche sind.
Ausserdem gäbe es noch regulatorische Hürden zu überwinden, bis die künstlichen Ohrknorpel für Menschen zugelassen werden. Laut Fisch zeigt die aktuelle Studie, wie nahe die Forschung einem natürlichen Ohr bereits kommt – und was noch fehlt.