Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
In der Nacht hat ein verheerendes Erdbeben Venezuela erschüttert. Von den rund 800 in Venezuela lebenden Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern gibt es bislang nur vereinzelte Rückmeldungen. Wir berichten über zwei in Caracas lebende Auslandschweizer, die ihre Einschätzung der Lage geschildert haben.
Meine Gedanken sind bei allen, die von der Katastrophe in Venezuela betroffen sind.
Zwei starke Erdbeben haben Venezuela in der Nacht getroffen. Die Zerstörungen sind Berichten zufolge erheblich, und die Lage bleibt chaotisch. Rafael Filliger, Programmdirektor von Caritas Venezuela, befindet sich derzeit in der Schweiz, steht jedoch in Kontakt mit Personen in der Hauptstadt Caracas und hat mit SRF über die Lage gesprochen.
«Es herrscht völliges Chaos», sagte Filliger. Bereits mehr als 20 Nachbeben wurden registriert. Er habe viele seiner Kolleginnen, Kollegen und Bekannten in Venezuela kontaktiert, aber noch nicht von allen eine Antwort erhalten.
«Eine Person antwortete, dass sie auf der Strasse sei, weil es noch Nachbeben gebe. Eine andere schickte mir Fotos, die grosse Risse in den Wänden ihres Hauses zeigen. Ein weiteres Bild zeigte die Trümmer zweier eingestürzter Gebäude nebenan», sagte er.
Rund 800 Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer leben in Venezuela. Christian Brunnschweiler, Auslandschweizer-Delegierter der Auslandschweizer-Organisation in Caracas, sprach ebenfalls mit SRF und beschrieb es als das stärkste Erdbeben, das er je erlebt habe.
«Das ganze Haus zitterte. Auf der anderen Seite der Stadt sind mehrere Gebäude eingestürzt», sagte Brunnschweiler. Die Erdbeben in Venezuela waren bis in die Schweiz zu spüren, wie der Schweizerische Erdbebendienst mitteilte: Seine Seismometer an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hätten die Erschütterungen deutlich aufgezeichnet.
Viele Länder haben bereits Hilfe angeboten, und Unterstützung wird dringend benötigt. Venezuela brauche jedoch auch langfristige Unterstützung über die unmittelbare Katastrophenhilfe hinaus, sagte Filliger. Kurzfristig hätten sauberes Trinkwasser, provisorische Unterkünfte und Zelte Priorität.
Im Rahmen ihres Finanzplans 2029–2032 will die Schweizer Landesregierung die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit im Ausland kürzen mit dem Ziel, 100 Millionen Franken einzusparen. Dies gab sie gestern an einer Medienkonferenz bekannt.
Die Schweiz wird ihre bilateralen Programme der Entwicklungszusammenarbeit in Aserbaidschan, Ghana und Südafrika beenden. Der Rückzug aus Lateinamerika war bereits 2020 beschlossen worden. Es wird mit dem Abbau von rund 100 Stellen gerechnet, während die Ausgaben ab dem nächsten Jahr um 20 Millionen Franken reduziert werden sollen.
Gleichzeitig plant die Schweiz, die Ausgaben für die humanitäre Soforthilfe um 330 Millionen Franken zu erhöhen.
Die Regierung will zudem ihre internationale Präsenz nach dem Prinzip «ein Land, ein Büro» konsolidieren. Das bedeutet, dass die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) nicht mehr gleichzeitig in denselben Partnerländern tätig sein werden. Dadurch würden Doppelspurigkeit reduziert und das Management vereinfacht. «Solidarität zu zeigen, bedeutet nicht, überall präsent zu sein», sagte Aussenminister Ignazio Cassis gestern auf der Medienkonferenz.
Angesichts der sich verbessernden Finanzlage des Bundes wurde jedoch die Notwendigkeit der Kürzungen infrage gestellt. Wirtschaftsminister Guy Parmelin argumentierte, der Fokus müsse darauf liegen, sich auf künftige Defizite vorzubereiten und eine ausreichende Finanzierung der Armee, der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) sowie der Invalidenversicherung (IV) sicherzustellen.
Die Ankündigung stiess bei linken Parteien und bei Organisationen, die im Bereich der internationalen Hilfe tätig sind, auf Kritik. Die Entwicklungs-NGO Alliance Sud bezeichnete die Kürzungen als «Stärkung der Feuerwehr auf Kosten der Brandverhütung». Cédric Wermuth, Co-Präsident der Sozialdemokratischen Partei (SP), sagte, die Schweiz «trägt zur globalen Unsicherheit bei».
Bei der Stimmbeteiligung klafft zwischen den Generationen eine auffällige Lücke. So gaben rund 60 Prozent der 70- bis 79-jährigen Schweizer Stimmberechtigten ihre Stimme ab, verglichen mit nur rund 30 Prozent der 25- bis 29-Jährigen.
Diese Erkenntnisse stammen aus einer heute veröffentlichten Studie des liberalen Thinktanks Avenir Suisse. Das Gefälle ist bemerkenswert, da das Medianalter der Schweizer Bevölkerung bei 43 Jahren liegt, das der Stimmberechtigten jedoch bei 53,5 Jahren.
Laut der Studie stimmen junge Frauen häufiger ab als junge Männer. Nach dem 75. Lebensjahr kehrt sich dieses Muster jedoch um. Ältere Frauen beteiligen sich weniger als ihre männlichen Altersgenossen.
Der Bericht argumentiert, dass dieses Gefälle politische Konsequenzen hat. Er verweist auf die Annahme der 13. AHV-Rente, die von einer Mehrheit der Stimmberechtigten befürwortet, von den unter 40-Jährigen jedoch abgelehnt wurde. Zwar ist das Alter keineswegs der einzige Faktor, der das Abstimmungsverhalten beeinflusst, jedoch könne er laut Avenir Suisse nicht ignoriert werden. Seit dem Jahr 2000 haben ältere Stimmberechtigte das Ergebnis der meisten Volksabstimmungen faktisch bestimmt.
Mehrere Kantone, darunter Zürich und Luzern, haben auf kantonaler Ebene über eine Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre abgestimmt. Bisher hat einzig der Kanton Glarus diese Massnahme im Jahr 2007 angenommen.
Laut Avenir Suisse hätte eine Senkung des Stimmrechtsalters jedoch nur marginale Auswirkungen auf die Verringerung des Beteiligungsgefälles. Der Bericht prognostiziert, dass die Kluft zwischen jüngeren und älteren Stimmberechtigten bis 2050 weiter zunehmen wird, obwohl das Medianalter der Stimmberechtigten nach 2030 voraussichtlich langsamer ansteigen wird.
In eigener Sache: Staffel zwei des Swissinfo-Podcasts «Ade merci, Schweiz» ist da!
Was braucht es, um im Ausland Fuss zu fassen? Und was weiss man besser früher als später? Diese Fragen vertiefen die beiden Hosts Camille Kündig und Claire Micallef mit ihren Gästen in der ersten Folge, die heute erschienen ist.
«Beim Bewerben musste ich feststellen, dass man meine Ausbildung nicht kannte», erzählt die Auslandschweizerin Janine McShane, die vor acht Jahren ins Vereinigte Königreich ausgewandert ist und heute in Schottland lebt. Die Jobsuche vor Ort verlief somit zuerst harzig, zur beruflichen Unsicherheit kam auch Einsamkeit. «Wen man auf Stellensuche ist, ist es nicht ganz einfach, ein soziales Netzwerk aufzubauen.»
Mit ihrer Erfahrung ist McShane nicht allein. «Grundsätzlich muss man damit rechnen, dass es teuer ist und lange dauert», sagt Karrierecoach Christian Abt zur Anerkennung schweizerischer Abschlüsse im Ausland. Für ihn ist die Stellensuche im Ausland mit einer Firmengründung vergleichbar. «Es braucht viel Planung und man muss sich gut informieren.» Das beginnt bereits bei Fragen zur Arbeitsbewilligung, zum Lebenslauf, der je nach Land unterschiedlich aufgebaut ist oder zu Gepflogenheiten in der Arbeitskultur.
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