Gebäude in Basel geräumt – zwei Personen harren auf dem Dach aus
Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat am Mittwochmorgen besetzte Liegenschaften im Klybeck-Quartier geräumt. Am Mittwochnachmittag bestand die Pattsituation zwischen der Polizei und zwei Personen aus der Aktivistengruppe weiterhin.
(Keystone-SDA) Auf einem Dach befinden sich nach neusten Polizeiangaben nach wie vor zwei Menschen. Die Polizei befindet sich mit ihnen «in intensivem Austausch», wie sie über ihren Whatsapp-Kanal mitteilte.
Die Sicherheit der beiden Personen und die Verhältnismässigkeit des Einsatzes hätten Priorität, hiess es weiter. Der Einsatz dauere an und es sei daher weiterhin mit der Sperrung von Teilen der Klybeckstrasse für den Individualverkehr zu rechnen.
Das Areal an der Klybeckstrasse 229 war am Mittwochmorgen komplett mit Kastenwagen umstellt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete. Daher war das Geschehen auf dem Gelände nur teilweise sichtbar. Die Polizei in Vollmontur entfernte das grosse Banner mit der Aufschrift «Zack» (Zone Autonome Culturelle Klybeck) wie der Reporter weiter feststellte. Einige Umstehende quittierten dies mit Parolen.
Einsatz ab 4 Uhr
Der Polizeieinsatz begann am Mittwoch bereits um 04.00 Uhr morgens, wie Sprecher der Kantonspolizei gegenüber Keystone-SDA vor Ort sagten. Es gehe insgesamt um drei Gebäude mit umliegendem Areal. «Wir wussten nicht, was uns drinnen erwartet», hielten sie fest. Darum habe man das Gebiet weiträumig abgesperrt, «damit die Einsatzkräfte sauber arbeiten können», hiess es.
Die Sprecher erklärten weiter, dass die Gebäude eigentlich leer gewesen seien und noch vor dem Mittag geräumt waren. Allerdings habe man zwei Personen auf dem Dach festgestellt. Das Dispositiv bleibe bestehen, bis die Polizei die Situation lösen könne.
Für die Polizei würden die Gebäude erst dann als besetzt gelten, wenn die Eigentümerin einen Strafantrag stelle, sagten die Sprecher weiter. Dies sei geschehen. Noch vergangene Woche habe die Kantonspolizei die Besetzenden gemahnt, die Liegenschaft zu verlassen. Nun müsse sie die Besitzverhältnisse wiederherstellen. Eine erneute Besetzung der Gebäude zu verhindern liege in der Verantwortung der Eigentümerin.
Abriss per Ende 2027 geplant
Das Areal wurde Ende Mai von Linksautonomen besetzt. Unter dem Namen «Zack» hatten sie dort ein selbstverwaltetes Kulturzentrum ausgerufen. Die besetzen Gebäuden K102, K104 und K106 im Besitz des Versicherungskonzerns Swiss Life wurden vorher zwischengenutzt. Dazu gehörte der ehemalige Musikclub Humbug. Swiss Life hatte den Zwischennutzungsvertrag mit Humbug nicht verlängert. Der Club musste das Areal Ende 2025 verlassen, ebenso andere Zwischennutzungen, darunter eine Padelhalle sowie mehrere kleine Firmen, Vereine und Ateliers.
Die Besetzerinnen und Besetzer forderten Mitte Juni in einem Blogpost, die Swiss Life solle die drei Gebäude «vertrags- und fristlos der Selbstverwaltung von Unten überlassen». Es entstehe dort Quartierentwicklung und das Bedürfnis der Bevölkerung nach einem solchen Kulturzentrum sei riesig. Zahlreiche Menschen seien im Zack zusammengekommen und es habe Veranstaltungen gegeben.
Man wolle ein Quartier für alle schaffen, in dem selbstverwaltete, kulturelle Freiräume langfristig existieren können und keine Profitlogik unterliegen, heisst es im Post. In den sozialen Medien wird inzwischen zu einer Demonstration auf der Dreirosenanlage am Mittwochabend aufgerufen.
Neues Quartier geplant
Mit dem Transformationsprojekt «Klybeck plus» wollen die Grundeigentümer Swiss Life und Rhystadt ein 30 Hektar grosses Stadtquartier auf den ehemaligen Klybeck-Industrieparzellen schaffen. Vorgesehen sind Wohnungen für 8500 Menschen und Raum für 7500 Arbeitsplätze.
Swiss Life will die betroffenen Gebäude an der Klybeckstrasse 229 bis Ende 2027 in Etappen abreissen. Die entsprechenden Rückbaugesuche sind gemäss Angaben des Unternehmens beim Kanton eingereicht worden.