Picasso unter der Sonne von Mithra
Picassos Stierkämpfe und der persische Sonnengott Mithra: In der Fondation Gianadda in Martigny VS lässt sich bis zum 4. November ein aussergewöhnlicher Zugang zum Werk des Meisters entdecken - nicht zufällig in der Nähe des Mithraeum.
Die Picasso-Ausstellung ist eng verknüpft mit der Symbolik des antiken Sonnengottes Mithra, der den Stier mit dem Messer tötet. Die Mithra-Kultstätte in Martigny war 1993 entdeckt worden. Der ursprünglich asiatische Kult war vor allem im Römischen Reich um 300 n.Chr. verbreitet, bevor er allmählich vom Christentum verdrängt wurde.
Die Kraft der Symbolik rund um den geopferten Stier hat eine lange Tradition, die sich 35 000 Jahre nach den ersten prähistorischen Höhlenzeichnungen in Picassos «corridas», Kampfstieren und Stierkämpfen wiederfindet.
Opferung des Mannes
Der 1881 in Malaga geborene Andalusier Pablo Ruiz Picasso badete seit seiner Kindheit im Stier-Kult. Dieses Symbol – gezeichnet, gemalt oder in Stein gemeisselt – taucht immer wieder in Picassos Schaffen auf.
In seinem Werk multipliziert der Künstler die Szenen, die er als «Aficionado» des Stierkampfes in den Arenen von Barcelona und später in Nîmes verfolgt. Mit dem Nahen des Zweiten Weltkriegs entwirft er eine Serie von Stierkämpfen. Der Tiergott der griechischen Mythologie ist dabei oft mit einer Frauenfigur verknüpft.
Für den 1973 verstorbenen Picasso scheint der Stierkult untrennbar mit der Opferung des Mannes verbunden, was im Meisterwerk «Crucifixion» von 1930 zum Ausdruck kommt. Den rund 100 Werken Picassos wird in der Ausstellung eine Auswahl prähistorischer und antiker Objekte gegenübergestellt.
swissinfo und Agenturen
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