Schweiz soll Apartheid- Opfer unterstützen
Der südafrikanische Erzbischof Ndungane hat am Dienstag (09.05.) bei einem Höflichkeitstreffen mit Bundesrat Joseph Deiss die Schweizer Regierung und Wirtschaft aufgerufen, mehr zu tun für die Entschädigung von Opfern des Apartheid-Regimes.
Njononkulu Ndungane, der vor vier Jahren das Kirchenamt von Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu übernommen hatte, bedankte sich bei der Schweizer Regierung für ihre Unterstützung der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC).
Die von Tutu geleitete Kommission befasste sich mit Menschenrechtsverletzungen zwischen 1960 und 1994. Sie sammelte Informationen, konnte bei politisch motivierten Straftaten Amnestie gewähren und entschied über Entschädigungszahlungen. Gegen 25’000 Menschen haben demnach ein Anrecht auf Entschädigung.
Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche des südlichen Afrikas betonte gegenüber Deiss die Notwendigkeit, versprochene Entschädigungen zu bezahlen. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Schweizer Regierung, vor allem die vor der TRC erschienenen Apartheid-Opfer mehr zu unterstützen.
Vielleicht könnten Privatwirtschaft und Finanzinstitute, mit welchen die Kaprepublik zur Zeit der Apartheid gute Beziehungen unterhalten hatte, zu einem einmaligen Entschädigungsbeitrag bewegt werden, sagte Ndungane weiter.
Der Erzbischof begrüsste des weitern die Bemühungen in der Schweiz, die früheren Beziehungen zum Apartheid-Regime aufzuarbeiten. Jüngste Forschungsergebnisse zeigten, dass noch viel Arbeit gemacht werden müsse.
Dazu zählte er die militärischen und geheimen Verbindungen zu Wouter Basson, dem ehemaligen Chef des südafrikanischen Geheimprogramms für B- und C-Waffen, sowie die von der Entschuldungskampagne aufgedeckten Beziehungen der Banken. Für die nun nötigen Untersuchungen braucht es laut Ndungane auch Zugriff auf die Archive der Banken.
Das Kirchenoberhaupt rief die Schweizer Regierung ferner auf, Bemühungen zu unterstützen, mit welchen die Geldschulden aus der Apartheid-Zeit gestrichen und ein Wiederaufbauplan aufgestellt werden sollen.
Erzbischof Ndungane, der am Sonntag (07.05.) in der Schweiz eintraf, führt noch bis Freitag (12.05.) in Bern, Genf und Zürich etliche Gespräche mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) hatte ihn eingeladen.
swissinfo und Agenturen
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