Seit 100 Jahren im Dienst der Armen und Randständigen
Die Heilsarmee Schweiz feiert am Wochenende ihr 100-jähriges Jubiläum. Seit ihrem Bestehen engagiert sich die christliche Bewegung in sozialen und geistlichen Aufgaben. Die Heilsarmee beschäftigt in der Schweiz mehrere tausend Mitarbeiter.
«Am Anfang war die Heilsarmee überhaupt nicht erwünscht. Sie breitete sich aber trotzdem aus und packte an, wo Not war. Sie nahm Obdachlose auf, unterstützte arme Leute und kümmerte sich um Alkoholiker. Gleichzeitig gründete sie aber auch Gemeinden, die Gottesdienste organisierten», wie Hedi Zogg, Pressesprecherin der Heilsarmee erklärt.
Gottesdienste im Freien würden nicht mehr so oft abgehalten wie früher, auch sei weniger Improvisation im Spiel als früher, so Hedi Zogg. Im sozialen Bereich sei man schnell von den anfänglichen «Feuerwehrübungen» zur Errichtung von Heimen übergegangen. Heute würden Institutionen wie Obdachlosenheime, Altersheime, Entzugsstationen für Drogenabhängige Kinderkrippen und Brockenstuben professionell geleitet. Dies werde gesetzlich auch so gefordert, betont die Mediensprecherin der Heilsarmee.
Unterschlupf für eine Nacht oder 16 Jahre
Eine solche Institution ist das Passantenheim in Bern. Geleitet wird es von Franz Dillier: «Wir haben 43 Betten, die wir Obdachlosen anbieten; Menschen, die in Not geraten sind.» Das Passantenheim beherbergt Leute mit Drogen- oder Eheproblemen sowie mit psychischen Problemen. Auch ausgeraubte Touristen oder Asylsuchende finden Obdach. Die Menschen bleiben meist einige Tage oder Wochen, manchmal auch länger: «Einer ist schon 16 Jahre hier. Er ist Alkoholiker, verwahrlost und noch zu jung für ein Altersheim.»
Engagement bleibt unverändert
Die geistliche und soziale Betreuung von Menschen ist nach wie vor die Hauptaufgaben der Heilsarmee, sagt Hedi Zogg. Die Hilfe an bedürftigen Menschen sei eingebettet in das Evangelium. Auch dies sei Hilfe am Menschen. Dies beteuert auch Franz Dillier: «Wir haben vom christlichen Glauben her Grundsätze, die wir den Leuten gerne vermitteln. Wir sagen ihnen, dass Gott uns hilft, wenn wir nicht mehr weiter wissen.»
Eine Armee in Uniform
Die Helferinnen und Helfer der Heilsarmee treten in der Öffentlichkeit in Uniform auf, was häufig kritisiert wird. Trotzdem sei die Abschaffung der Uniform kein Thema, betont Hedi Zogg: «Die Uniform ist ein Identifikations-Instrument für unsere Arbeit.» Eine Entwicklung habe aber statt gefunden: Es gebe neu T-shirts mit dem Heilsarmee-Emblem drauf.
Der Name «Heils-Armee» hingegen sei für die Mitglieder ein Thema. «Es ist aber nahezu unmöglich, eine 100-jährige Organisation umzutaufen ohne an Identität zu verlieren». Vorschläge für einen neuen Namen gebe es noch nicht.
Ohne Freiwillige läuft gar nichts
Laut Hedi Zogg könnte die Heilsarmee ohne ihre rund 4’500 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht funktionieren. «Die Musik-Sektion, der Seelsorgedienst oder die Jugendarbeit könnte gar nicht existieren ohne Freiwillige.»
Die Heilsarmee wurde 1865 in London gegründet und kam 1882 über Frankreich in die Schweiz. Seit 1901 ist die schweizerische Heilsarmee eine unabhängige Organisation. Der Hauptsitz befindet sich in Bern.
Gaby Ochsenbein
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