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Vatikan macht seit 30 Jahren feinere Unterschiede

Die Haltung der katholischen Kirche zu homosexuellen Handlungen hat sich im Lauf der Jahrhunderte nicht verändert.

Die Einstellung gegenüber homosexuellen Menschen hingegen schon: Seit rund 30 Jahren werden sie vom Vatikan nicht mehr verurteilt.

Die Ablehnung der Homosexualität setze mit dem Alten Testament ein und ziehe sich durch die ganze Kirchengeschichte hindurch, sagte Hans Halter, Sozialethiker an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts unterscheide der Vatikan aber zwischen homosexuellen Handlungen und homosexuellen Menschen. Während er die Handlungen nach wie vor ablehne, würden Menschen für ihre homosexuellen Neigungen nicht mehr verurteilt.

Die Stellungnahme der Schweizerischen Bischofskonferenz (SBK) vom Donnerstag sei vor diesem Hintergrund zu sehen, erklärte Halter. Gelebte Homosexualität werde von der Kirche abgelehnt, also müsse ihr auch der Segen verwehrt bleiben.

Die katholische Kirche sah sich laut Halter deshalb gezwungen, zur Frage der Segnung Stellung zu nehmen, weil in der evangelischen Kirche immer öfter Segnungen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften vorgenommen würden. In der katholischen Kirche sei es – entgegen der Doktrin – auch schon vereinzelt dazu gekommen, etwa in Holland.

Bei der Frage der registrierten Partnerschaft sieht Halter einen Fortschritt innerhalb der letzten Jahre. Die Kirche habe zur Haltung gefunden, dass staatliche Angelegenheiten wie zum Beispiel die Regelung von Erbschaften nicht in ihre Domäne gehörten.

Halter lehnt persönlich die Segnung homosexueller Paare ab. Homosexuelles Handeln beurteilt er hingegen in bestimmten Kontexten im Rahmen einer Partnerschaft als moralisch nicht verwerflich.

swissinfo und Agenturen

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