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Satire Eine sehr kurze Geschichte des Schweizer Humors



Der Schweizer Humor ist aufgrund der verschiedenen Sprachen und Kulturen sehr vielfältig.

Der Schweizer Humor ist aufgrund der verschiedenen Sprachen und Kulturen sehr vielfältig.

(Keystone)

Schweizer gelten als trocken und humorlos. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – gibt es eine Menge Witze und humoristische Anekdoten von und über die Schweiz und deren Bewohner. Eine kurze Geschichte.

Humor ist in jedem Land ein Teil der Kultur, eine Form der satirischen Verarbeitung von Fragen mit politischer Relevanz. Je zahlreicher die Probleme sind, mit denen das jeweilige Land zu kämpfen hat, desto vielfältiger und bisweilen zynischer sind Witze und Anekdoten. Die Schweiz ist ein stabiles Land mit relativ harmlosen Problemen, nichtdestotrotz findet man auch hier beim aufmerksamen Hinsehen eine ausgeprägte und vielseitige humoristische Kultur.

Die Geschichte des Schweizer Humors geht Hand in Hand mit der Geschichte des Landes und beginnt mit dem Schimpfwort "Kuhschweizer". Es stammt aus dem 14. Jahrhundert, aus der Zeit, wo die Schweizer Schritt für Schritt damit begonnen haben, sich vom Heiligen Römischen Imperium der Deutschen Nation zu emanzipieren. Mit diesem Wort haben die damaligen Bewohner von Gebieten nördlich des Rheins die heutigen Schweizer beschimpft. Diese liessen das nicht auf sich sitzen und schimpften zurück, manchmal aber benutzten sie selbst dieses Wort als verbale Waffe in internen Querelen.

"Witzerland" statt Switzerland...

(© Schweizerische Landesmuseen)

Makabre Witze rund ums Söldnertum

Die weitere Geschichte des zum Teil derben Schweizer Humors ist eng mit den Schweizer Söldnern verbunden, mit den Leuten also, die zu jener Zeit als Kopfabschneider galten und einen wenig schmeichelhaften Ruf besassen. Von da kommt auch ein anderer Witz, der besonders im frühen 16. Jahrhundert weit verbreitet war, und vor allem nach der für die Schweiz katastrophalen Schlacht bei Marignano eine zusätzliche Aktualität bekam.

Die Verluste auf Schweizer Seite waren damals dermassen massiv, dass, wie man behauptete, die italienischen Ärzte bei toten Schweizern Bauchfett auszuschneiden pflegten, zwecks weiterer Verarbeitung zu einem Mittel gegen Potenzstörungen. Denn es war allgemein bekannt, dass die Schweizer nicht nur grausame Soldaten waren, sondern auch immer wieder durch gewissenslose Vergewaltigungen von sich reden liessen.

Finanzplatz Schweiz als Grund zum Lachen

Im 18. Jahrhundert beginnt sich die Schweiz sehr schnell zu einem Finanzzentrum zu entwickeln. Aus dieser Zeit stammt auch ein klassischer Schweizer Witz, dessen Urheber, man behauptet es zumindest, der grosse Philosoph Voltaire war. Der soll einmal gesagt haben: "Wenn Sie einen Schweizer Bankier aus dem Fenster springen sehen, springen Sie hinterher. Es gibt bestimmt etwas zu verdienen".

Ein anderer Finanzwitz stammt aus der Zeit der jüngsten Finanzkrise. Ein Deutscher will in einer Bank in Zürich Geld anlegen. "Wie viel wollen sie denn einzahlen?", fragt der Kassier. Flüstert der Deutsche: "Drei Millionen." "Sie können ruhig lauter sprechen", sagt der Bankangestellte. "In der Schweiz ist Armut keine Schande."

Regionale Anekdoten

Die Schweiz ist ein kleines Land, aber regional sehr vielfältig, daher sind selbstverständlich die regional und kantonal gefärbten Witze sehr zahlreich. "Was ist das Beste an Basel? — Ein Wegweiser Richtung Zürich". "Was macht ein Appenzeller, wenn er seinen Zug verpasst? Er sitzt einfach die Füsse baumelnd auf seinem Bahn-Billet und wartet auf den Nächsten" (eine Anspielung auf die Tatsache, dass die Appenzeller angeblich von Natur aus kleinwüchsig sind).

Erstaunlich, aber wahr: Es gibt auch in der Schweiz Witze und Anekdoten über Politiker. Besonders bekannt war diesbezüglich Rudolf Minger (1881 — 1955), der Schweizer Bundesrat von 1930 bis 1940 und Mitbegründer der SVP war. Einer der Witze geht so: kommt Minger nach Bern und beginnt in einem Taxi von einer Kirche zur anderen zu hetzen. Der Taxifahrer fragt: "Exgüse, Herr Bundesrat, suechet Dr öpper" ("Sorry, Herr Bundesrat, suchen Sie jemanden?"). Der antwortet: "I han e Iladig zur Hochzeit des Figaro übercho, aber die hei nid emal gschribe, i welere Chilche" ("Ich habe eine Einladung zur Hochzeit eines gewissen Herrn Figaro bekommen, doch man hat mir nicht gesagt, in welcher Kirche die Hochzeit stattfinden sollte").

Zu guter Letzt ein Witz aus dem Schweizer Alltagsleben. Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Laib Käse? Der Käse kann reifen.

Kennen Sie einen Witz über die Schweiz oder deren Bewohner? Erzählen Sie ihn in den Kommentaren!

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