Hauptpreise des Dokfilmfestivals Visions du Réel gehen an Debüts
"From Dawn to Dawn" von Xisi Sofia Ye Chen hat am Visions du Réel den Grossen Preis im internationalen Spielfilmwettbewerb gewonnen. Damit geht die wichtigste Auszeichnung des Dokfilmfestivals an das Spielfilmdebüt der Regisseurin mit katalanisch-chinesischen Wurzeln.
(Keystone-SDA) Die Regisseurin Xisi Sofia Ye Chen betrachtet in «From Dawn to Dawn» ihren Bruder aus einer heiklen Perspektive. Auf der Suche nach einer neuen moralischen Orientierung ist er hin- und hergerissen zwischen kriminellem Erbe, Loyalität und familiären Verpflichtungen. Der Grand Prix de la Compétition Internationale Longs Métrages ist mit 20’000 Franken dotiert.
Auch im nationalen Wettbewerb, der mit 15’000 Franken dotiert ist, hat ein Debüt gewonnen: «Nicole Nicole» von Lauren Dällenbach. Die schweizerisch-französische Regisseurin beobachtet darin die beiderseits abhängige Beziehung ihrer Tante Nicole und ihrer Grossmutter Alberte und thematisiert damit mögliche Wege der Emanzipation.
Das Publikum hat seine Auszeichnung im Wert von 10’000 Franken an den Film «Birds of War» vergeben. Die libanesische Filmemacherin Janay Boulos und ihr syrischer Kollege Abd Alkader Habak haben mit «Birds of War» einen Film gemacht, in dem nach und nach eine romantische Komödie einen Kriegsfilm überlagert. Der Film durchforstet über einen Zeitraum von 13 Jahren die Archive einer in London lebenden libanesischen Journalistin und eines syrischen Kameramannes, um von der Befreiung Aleppos und dem Aufstand der Bevölkerung in Beirut zu erzählen.
Prächtige Blüten als Sinnbild
Der algerische Filmemacher Hassen Ferhani hat mit «Alea Jacarandas» den Preis in der Sektion Burning Lights gewonnen, die den aussergewöhnlichen Formen des Dokfilms vorbehalten ist. Die Auszeichnung ist mit 10’000 Franken dotiert. Wie der Titel «Alea Jacarandas» verspricht, stehen die prachtvollen violetten Blüten des Jacaranda-Baumes für Funken der Liebe und der Erinnerung in diesem Film, der eine von Trauer geprägte Suche ist.
Verliehen wurden die insgesamt über ein Dutzend Preise am Freitagabend in Nyon. Zu diesem Anlass zeigte sich die künstlerische Leiterin Emilie Bujès erfreut, dass die Preisträgerliste dieser 57. Ausgabe «genau das widerspiegelt, was die Einzigartigkeit von Visions du Réel ausmacht»: Das Festival setze auf die formelle Vielfalt des Dokumentarfilms und biete dem Publikum die Möglichkeit, neue Perspektiven und besondere Realitäten zu entdecken.
Im Übrigen war diese 57. Ausgabe des Dokfilmfestivals die letzte, die Bujès verantwortet; sie wechselt im Sommer als künstlerische Leiterin zum Geneva International Film Festival (GIFF).