Hilfswerk schlägt wegen Kinderhandel Alarm

Viele Opfer von Kinderhandel stammen aus Afrika. Keystone

Der Kampf gegen den Kinderhandel muss verstärkt werden, verlangt das Schweizer Hilfswerk Terre des hommes. Jedes Jahr werden rund 1,2 Mio. Kinder Opfer solcher Ausbeutung.

Dieser Inhalt wurde am 28. Oktober 2004 - 17:45 publiziert

In Europa stehen vor allem der Missbrauch unbegleiteter Minderjähriger und die kommerzielle Adoption im Fokus der Organisation.

"Der grösste Teil des Handels läuft im Untergrund", sagt Bernard Boeton, bei Terre des hommes verantwortlich für den Bereich Kinderrechte. "Wir haben zwar Zahlen und Fakten, aber das ist lediglich die Spitze des Eisbergs."

180 Experten aus 48 Ländern diskutierten jüngst an einer Konferenz in Sitten im Kanton Wallis, mit welchen Mitteln das Phänomen effektiver bekämpft werden kann.

Unter illegalen Kinderhandel fällt der Verkauf von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren als billige Arbeitskräfte. Die Profiteure, die Kinderhändler, treiben ihre jungen Opfer oft in illegale Tätigkeiten wie Drogenhandel, Prostitution oder Diebstahl.

Drehscheibe Europa

Viele Opfer stammen aus Entwicklungsländern und landen in Westeuropa, oder werden zumindest hier durchgeschleust.

Dabei hat sich in letzter Zeit eine neue Gruppe herauskristallisiert: Alleinreisende Kinder, die davon träumen, in Europa ein besseres Leben führen zu können.

Zwischen 800 und 1000 unbegleitete Kinder und Jugendliche stellten jedes Jahr in der Schweiz ein Asylgesuch, so Boeton. Von diesen erhielten aber nur 10% eine Aufenthaltsbewilligung.

Ohne Schutz, ohne Chancen

"Die anderen 90% verschwinden einfach", so Boeton. Während einige ihr Glück in einem Nachbarland versuchten, landeten andere in den Fängen von Kinderhändlern.

"Dass unbegleitete Jugendliche nach Europa kommen, macht sie noch nicht zwangsläufig zu Opfer des Kinderhandels", differenziert Boeton gegenüber swissinfo.

"Manche landen aber dadurch im System des Kinderhandels, weil ihre Rechte nicht respektiert werden oder sie keine Aufenthaltsbewilligung erhalten."

Mehr Aufnahmen

Genau hier will Terre des hommes ansetzen: Regierungen sollten einreisenden Kindern gegenüber eine offenere Haltung entwickeln, forderte die Organisation in Sitten.

"Wir verlangen nicht die Integration aller Minderjährigen, aber den Schutz der Kinder, so dass diese nicht in einer illegalen Situation auf der Strasse enden."

Adoptionen mit illegalen Tricks

Ein weiteres Phänomen ist die kommerzielle internationale Adoption. Gemäss Terre des hommes werden in der Schweiz jährlich zwischen 400 und 600 Kinder aus Osteuropa oder Südamerika adoptiert. Und die Zahl der Eltern, die auf diese Weise ein Kind wollen, nehme zu.

Adoptionen kämen oft auf illegale Weise zustande, indem Papiere gefälscht oder Kinder entführt würden, sagte Marlene Hofstetter, ebenfalls von Terre des hommes, an der Konferenz. An der Tagesordnung seien aber auch legale Zahlungen für ein Kind.

Kindswohl ausser Acht gelassen

Solche Händel seien oft nicht zum Wohl des Kindes, aber viele Eltern rechtfertigten sich damit, dass sie dem Kind so eine bessere Zukunft bieten würden.

"Es wartet noch viel Arbeit, um potentielle Adoptiveltern zu sensibilisieren und besser vorzubereiten", so Hofstetter. "Es ist eine absolute Notwendigkeit, die sich breit machende Normalität von illegalen und kommerziellen Adoptionen zu bekämpfen."

Der Schutz der Kinder respektive der Kampf gegen Kinderhandel sollte deshalb bei den Regierungen oberste Priorität erhalten, verlangt das Hilfswerk.

Konventionen durchsetzen

Als taugliches Instrument dazu taxiert Terre des hommes die Haager Konvention über die internationale Adoption sowie die UNO-Konvention über Kinderrechte. Beide Vereinbarungen garantieren minimale Standards bei Adoptionen.

Die Organisation verlangt zudem eine bessere Ausbildung all jener Personen, die im Bereich Kinderschutz tätig seien. Auch müsste die Zusammenarbeit zwischen den Ländern verbessert werden, um Kinderhändlern das Handwerk zu legen.

"Vor allem aber wünschen wir uns, dass die Regierungen jener Länder, wo wir aktiv sind, der Realtität ins Auge schauen", so Bernard Boeton.

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

In Kürze

Die Haager Konvention über internationale Adoptionen stammt von 1993.

46 Staaten haben sie ratifiziert, sieben bisher nur signiert.

Die UNO-Konvention über Kinderrechte wurde 1989 angenommen und 1990 in Kraft gesetzt.

Sie wurde mit Ausnahme der USA und Somalias von allen Ländern ratifiziert.

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