Hongkonger Verleger Lai mit Pressefreiheitspreis geehrt
Deutsche Zeitschriftenverleger ehren den inhaftierten Hongkonger Verleger Jimmy Lai mit dem "Pressefreiheitspreis". "Zeugen wurden gefoltert, damit sie Beweise gegen meinen Vater vorbringen. Das ist kein fairer Prozess", sagte Sebastian Lai, einer der Söhne des Preisträgers, der den Award des Medienverbands der freien Presse (MVFP) und des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) für seinen Vater in Berlin entgegennahm. Man könne nur versuchen, Druck auf Hongkong auszuüben und zu zeigen, dass die Welt es sieht.
(Keystone-SDA) Lai war in der chinesischen Sonderverwaltungsregion zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Im Dezember war der Medienmogul wegen Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften und der Veröffentlichung aufrührerischer Publikationen schuldig gesprochen worden. Lai, der auch einen britischen Pass besitzt, gilt als eine der bekanntesten Stimmen der prodemokratischen Bewegung Hongkongs.
Schirmherrin bei der Verleihung war die Präsidentin des Deutschen Bundestags, Julia Klöckner. Die chinesische Botschaft habe sie wissen lassen, dass sie es nicht gutheisse, dass sie bei der Veranstaltung eine Rede halte, sagte sie. «Die Botschaft darf das sagen, aber ich darf in meinem Land auch das tun, was ich für richtig halte.» Zu Lais Sohn sagte sie: «Bleiben Sie stark. Es ist toll, dass Sie heute Abend da sind.»
Die Medienverbände zeichneten zudem die langjährige Österreich-Korrespondentin der «Süddeutschen Zeitung», Cathrin Kahlweit, für ihre Osteuropa-Berichterstattung aus. «Der russische Krieg gegen die Ukraine war und ist auch ein Versuch, den freien Willen einer Nation abzutöten. Todesmutige Menschen in den besetzten Gebieten und Journalisten in der freien Ukraine kämpfen dagegen an», sagte sie in ihrer Dankesrede.
Preise mit 10.000 Euro dotiert
Auch der Krisen- und Konfliktjournalist der Funke Mediengruppe, Jan Jessen, erhielt einen Preis und sagte, er wolle ihn stellvertretend für all die Kolleginnen und Kollegen annehmen, die draussen seien. «Es ist wichtig, dass wir draussen sind», sagte er. Jessen appellierte: «Schickt uns weiter nach draussen, da wo Berichterstatter und Berichterstatterinnen gebraucht werden.»
Die Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Frühere Preisträger sind unter anderem das nach dem ermordeten slowakischen Journalisten Jan Kuciak benannte Investigativzentrum ICJK, der Journalist Can Dündar aus der Türkei und der Kriegsreporter Paul Ronzheimer.