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NEW YORK/BERLIN (awp international) - Hewlett-Packard torpediert den Wechsel seines geschassten Chefs Mark Hurd zum Konkurrenten Oracle. Der weltgrösste Computerhersteller hat Hurd verklagt - um die Weitergabe von Firmengeheimnissen zu verhindern, wie es heisst. Oracle kritisierte das HP-Vorgehen als "rachsüchtig".
Hurd habe Geheimhaltungserklärungen unterschrieben, liess HP am Dienstag in einem Firmenblog wissen. "HP beabsichtigt, diese Vereinbarungen auch durchzusetzen." Zuletzt hatte Hurd sich vor einem Monat vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet, als er HP nach Vorwürfen falscher Spesenabrechnungen und der Liaison mit einer externen Mitarbeiterin verlassen musste. Im Gegenzug bekam er ein stattliches Abfindungspaket im Wert von bis zu 35 Millionen Dollar.
Oracle-Chef Larry Ellison verurteilte das Vorgehen von HP. Der Verwaltungsrat von Hewlett-Packard missachte mit der "rachsüchtigen Klage" die Interessen seiner Aktionäre und Mitarbeiter, polterte der charismatische Konzernchef. Oracle habe HP immer als einen wichtigen Partner betrachtet, nun sei eine weitere Zusammenarbeit aber unmöglich.
Die beiden Konzerne bekriegen sich bei Grossrechnern, wie sie in Firmen oder im Internet eingesetzt werden. Oracle, eigentlich der Erzrivale des deutschen Unternehmenssoftware-Herstellers SAP, hatte den Server-Spezialisten Sun übernommen und war damit auch ins Hardwaregeschäft eingestiegen. Oracle-Chef Larry Ellison machte keinen Hehl daraus, dass er Hurd gerade wegen dessen Erfahrung im Computergeschäft geholt hat.
Die Oracle-Präsidenten führen massgeblich das Tagesgeschäft, aus dem sich der 66-jährige Firmengründer Ellison weitgehend zurückgezogen hat. "Es gibt keine Führungskraft in der IT-Welt mit mehr einschlägiger Erfahrung als Mark", lobte Ellison. Die Börsianer sahen das genauso: Die Aktie sprang am Dienstag um mehr als 6 Prozent hoch.
Hurd gilt als einer der effizientesten Manager in der Technologiebranche. Der 53-Jährige hatte Hewlett-Packard durch Zukäufe im hochprofitablen Servicegeschäft massiv vergrössert und damit das Unternehmen fast schadlos durch die Wirtschaftskrise gesteuert. Seine gleichzeitige Berufung in den wichtigen Verwaltungsrat von Oracle befeuerte sogleich Spekulationen, Hurd könne eines Tages an die Spitze des IT-Giganten vorrücken und Ellison beerben.
Die Klage, die HP vor einem Gericht im kalifornischen Santa Clara einreichte, hat auch eine persönliche Note: Ellison gilt als guter Freund von Hurd und hatte den Rauswurf des Managers öffentlich kritisiert. "Das war die dümmste Personalentscheidung, seitdem die Idioten im Apple-Verwaltungsrat vor vielen Jahren Steve Jobs gefeuert haben", schrieb der für seine Verbalattacken bekannte Ellison Anfang August in einer E-Mail an die "New York Times".
Hurd war über seine Beziehung zu der ehemaligen externen Mitarbeiterin Jodie Fisher gestolpert, die bei Kunden- und Mitarbeiterveranstaltungen auftrat. Er führte sie auf Firmenkosten zum Essen aus. Sie behauptete später, er habe sie sexuell belästigt. Diese Vorwürfe bestätigten sich allerdings nicht, man einigte sich auf einen Vergleich. Nachdem der Verwaltungsrat ihm falsche Spesenabrechnungen vorwarf, trat Hurd dennoch zurück. Die Geschichte kochte auch deshalb hoch, weil die Frau in den 90er Jahren in einer Reihe von Erotikfilmen mitgespielt hatte./das/DP/ep

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