The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

In Appenzell Ausserrhoden fehlen besonders viele Kinderärzte

In den Ostschweizer Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Thurgau ist der Mangel an Kinderärztinnen und Kinderärzten gemäss einer Berner Studie besonders ausgeprägt. Beunruhigt ist Ausserrhoden deswegen nicht.

(Keystone-SDA) Kinderärztinnen und Kinderärzte fehlen in vielen Kantonen. Nirgends ist der Mangel aber so stark ausgeprägt wie in Appenzell Ausserrhoden. Mit 0,21 Vollzeitstellen auf 1000 Kinder bildet der Kanton das Schlusslicht, wie aus einer von der Universität Bern am Dienstag vorgestellten Studie hervorgeht. Das heisst im Umkehrschluss: Auf einen Vollzeit arbeitenden Kinderarzt oder eine Ärztin entfallen rund 4750 Kinder.

Im Thurgau ist die Situation ein wenig besser, aber auch dieser Kanton liegt am Schluss der Tabelle. Dort sind es 0,32 Vollzeitstellen auf 1000 Kinder. Ein Kinderarzt versorgt somit rund 3100 Kinder. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Genf kommt eine Vollzeitstelle auf 750 Kinder und im Kanton St. Gallen ist es eine volle Stelle auf rund 1960 Kinder. St. Gallen ist damit noch knapp im Mittelfeld.

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) empfiehlt in der Erwachsenenmedizin eine Hausärztin pro 1000 Einwohner. «Wobei die meisten medizinischen Termine bei Kindern zeitaufwendiger sind», schreibt die Universität Bern.

Leicht andere Daten

Die in der Berner Studie aufgezeigten Herausforderungen nehme der Kanton «sehr ernst», schrieb der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer (SP) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Gleichzeitig zeigten die eigenen, kantonalen Daten ein «differenzierteres» Bild.

Zwar erschwerten unterschiedliche Methoden in der Datenerhebung direkte Vergleiche, hielt Balmer fest. Aber: Während die Berner Studie einen Wert von 0,21 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) ausweist, ergäben Auswertungen des Kantons per Ende 2025 einen Wert von 0,37. Zudem sei zu berücksichtigen, dass den Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder auch Angebote im nahegelegenen St. Gallen zur Verfügung stünden.

Dennoch sei klar, dass es eine Stärkung der ambulanten kinderärztlichen Grundversorgung brauche. Ausserrhoden setze sich auf verschiedenen Wegen dafür ein, schrieb Balmer weiter.

Mehr Telemedizin

«Die Versorgung darf nicht nur kantonal betrachtet werden, weil der Kanton Thurgau Träger des Ostschweizer Kinderspitals ist und einen wesentlichen Teil seiner spezialisierten Versorgung dort gewährleistet», kommentierte zudem der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin (SVP, Departement für Finanzen und Soziales). Die kinderärztliche Grundversorgung bleibe zwar eine Herausforderung, sei aber trotz «nominell tiefen Zahlen» gewährleistet.

Die Politik müsse alternative Versorgungsmodelle – etwa mehr telemedizinische Angebote – weiter vorantreiben und mache dies auch.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft