Israel weitet Bodeneinsätze im Libanon aus
Israels Armee hat ihre Bodeneinsätze im Nachbarland Libanon trotz einer geltenden Waffenruhe mit der proiranischen Hisbollah-Miliz ausgeweitet. Ziel sei es, die direkte Bedrohung für die israelischen Bürger sowie israelische Soldaten abzuwehren, sagte ein Militärvertreter der Deutschen Presse-Agentur. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte am Abend, dass das Land seinen Einsatz im Südlibanon verstärke.
(Keystone-SDA) Aus libanesischen Sicherheitskreisen hiess es, schwere israelische Angriffe im Süden deuteten auf eine mögliche Ausweitung der Bodenoffensive in Richtung Norden hin. Seit einem Aufruf der israelischen Armee zur Evakuierung der Stadt Nabatija habe es mindestens 20 Angriffe gegeben, hiess es. Im Libanon herrscht Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besatzung des Südens. Israel war 1982 in das Nachbarland einmarschiert und erst 2000 wieder abgezogen.
Im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah gilt seit April 2026 eigentlich eine Waffenruhe. Die gegenseitigen Angriffe wurden jedoch nicht eingestellt. Am Montagabend hatte Netanjahu bereits angekündigt, dass die Angriffe auf die Hisbollah verstärkt würden. Das Militär sei mit grosser Truppenstärke vor Ort, teilte er nun laut Angaben seines Büros mit. Weiterhin sagte er demnach: «Wir verstärken unseren Einsatz im Libanon.»
Der israelische Militärvertreter sagte, dass die Armee «gezielte» Einsätze auch in Gegenden jenseits der sogenannten «gelben Linie», die sechs bis zehn Kilometer entfernt von der israelischen Grenze im Südlibanon verläuft, begonnen habe. Hinter dieser Linie waren bereits zuvor israelische Bodentruppen stationiert. In dieser Zone liegen auch Dutzende libanesische Dörfer. Laut Netanjahu nimmt die israelische Armee nun darüber hinaus weiteres «strategisch wichtiges Gelände» ein.
Berichte: Auch Einsätze nördlich des Litani-Flusses
Israelische Bodentruppen sollen mehreren Medienberichten zufolge auch Einsätze nördlich des Litani-Flusses ausführen. Dieser verläuft etwa 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Laut einem früheren Abkommen sollte sich die Hisbollah-Kämpfer hinter diesen Fluss zurückziehen. Unter anderem die israelische Nachrichtenseite «ynet» berichtete, Ziel der Ausweitung der Bodeneinsätze sei es auch, gegen die von der Hisbollah eingesetzten Sprengstoffdrohnen vorzugehen und die vom Iran unterstützte Miliz weiter zurückzudrängen.
Die Hisbollah teilte mit, sie habe israelische Truppen und Militärfahrzeuge im Süden mit Raketen, Drohnen und Artillerie angegriffen. Israels Armee hatte am Nachmittag wieder Beschuss mit mehreren mit Sprengstoff beladenen Drohnen der vom Iran unterstützten Miliz gemeldet. Netanjahu sprach am Abend von «einer umfassenden nationalen Bemühung, um kreative und innovative Lösungen gegen Sprengstoffdrohnen voranzubringen».