Flucht aus dem Sudan: Wie die Schweiz Schutzsuchende in Ägypten unterstützt
Der Krieg im Sudan treibt Millionen Menschen zur Flucht. Gleichzeitig schrumpfen weltweit die Budgets für Entwicklungshilfe. Die Schweiz setzt deshalb auf einen direkteren Ansatz: Unterstützung von Geflüchteten, die einander helfen.
Rund eine Million Menschen aus dem Sudan befinden sich zurzeit in Ägypten – mehr als in jedem anderen Land. Gemäss dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat sich die Zahl der registrierten Flüchtlinge und Asylsuchende in Ägypten seit 2023 fast vervielfacht.
Seit Beginn des Krieges im Sudan suchen immer mehr Menschen Schutz in den Nachbarländern. Ohne Geld oder Papiere sei es schwer, in Kairo zu überleben – besonders wenn man nur mit einem Rucksack ankomme, erzählt eine Geflüchtete vor Ort gegenüber Swissinfo. Aus Angst vor Repression möchte sie ihren Namen nicht in den Medien lesen. Viele Geflüchtete fürchten sich davor, wieder in den Sudan abgeschoben zu werden. Eine sichere und dauerhafte Rückkehr ist derzeit gemäss UNHCRExterner Link nicht möglich.
«Viele Rückkehrerinnen und Rückkehrer kehren nicht aus Sicherheit zurück, sondern aus Mangel an Alternativen. In ihren Heimatregionen finden sie oft zerstörte Häuser, fehlende Infrastruktur und kaum Zugang zu Hilfe», schreibt das UNO-Flüchtlingshilfswerk in einer Mitteilung von Februar.
Sudanesische Schutzsuchende haben in Ägypten – das sich nur langsam von einer Wirtschaftskrise erholt – oft keine sichere Unterkunft und nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung.
Zudem mehren sich schon seit 2023Externer Link Berichte von willkürlichen Verhaftungen und Deportationen in den Sudan. Gegenüber The New HumanitarianExterner Link haben Flüchtlinge unlängst geschildert, dass ihnen die ägyptische Polizei die UNHCR-Dokumente abgenommen, sie verhaftet und abgeschoben hat.
Hilfe aus kleinen Gemeinschaften aus Geflüchteten
Die Schweiz hat – wie viele andere westliche Länder – die öffentliche Entwicklungshilfe in den letzten Jahren gekürzt.
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Gleichzeitig hat sie diese stärker auf den afrikanischen Kontinent verlagert. Für den Sudan und seine Nachbarländer, die vier Millionen Flüchtlinge aufnehmen, hat das Schweizer Parlament zudem Extragelder in der internationalen Zusammenarbeit gesprochen.
Ein Teil dieser Schweizer Beiträge fliesst in kleine lokale Gruppierungen, mit denen sich Menschen aus dem Sudan in Ägypten gegenseitig unterstützen. «Die Zusammenarbeit mit Organisationen aus Geflüchtetengemeinschaften entwickelt sich positiv», sagt Mélanie Gugelmann, Sprecherin des Schweizer Aussenministeriums (EDA).
Die Herangehensweise sei einfach: Betroffene sollen Betroffene unterstützen und so möglichst viel Verständnis schaffen. «Durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern können grundlegende Bedürfnisse wirksamer und näher bei den betroffenen Gemeinschaften gedeckt werden», so die Sprecherin.
Kosten sparen durch direkte Hilfe
Gemäss den Schweizer Behörden funktioniert dieser Ansatz. So unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) seit 2018 beispielsweise ein Programm, mit dem Geflüchteten geholfen wird, die anderen Geflüchteten in einer ägyptischen Grosstadt helfen.
«Diese Gruppen arbeiten kosteneffizient und sind eng mit den am stärksten Gefährdeten verbunden, so können sie direkt auf ihre Bedürfnisse eingehen», so Gugelmann. Nach der Startphase sei das jährliche Budget nahezu gleichgeblieben. «Trotzdem konnten jedes Jahr mehr Menschen erreicht werden», teilt Gugelmann mit.
Die Flüchtlingskrise ist jedoch nicht überwunden. Das EDA geht davon aus, dass die Anzahl Schutzsuchender aus Ägypten weiter steigen wird. Das Ziel der Schweizer Unterstützung für Sudanesinnen und Sudanesen in Ägypten sei, dass die Gemeinschaften der Geflüchteten gestärkt werden und die Hilfe die Menschen möglichst direkt erreiche. «Wir wollen Ressourcen und auch die Aufmerksamkeit stärker in Richtung lokaler Organisationen verlagern», sagt Gugelmann. So könne Hilfe noch mehr bewirken.
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Die Ausgaben der öffentlichen Entwicklungshilfe (APD) der Deza beliefen sich im Jahr 2025 auf vorläufig 2150,6 Millionen Franken. Afrika bildet darin ein zentraler Schwerpunkt: 485,5 Millionen Franken – und damit rund 31% der gesamten bilateralen Beiträge der Deza – flossen 2025 in Programme auf dem afrikanischen Kontinent.
Besonders deutlich zeigt sich die Priorisierung im Sudan. Hier wurden die bilateralen DEZA-Beiträge von 10,1 Millionen Franken im Jahr 2021 auf 46,8 Millionen Franken im Jahr 2025 mehr als vervierfacht – unter anderem aufgrund eines vom Parlament beschlossenen Nachtragkredits von insgesamt 50 Millionen Franken für den Sudan und vier Nachbarländer, die vier Millionen Geflüchtete aus dem Sudan aufgenommen haben. Auch in Ägypten stiegen die bilateralen Mittel im gleichen Zeitraum von 12 auf 19 Millionen Franken an.
Aktuell unterstützt die Deza in Afrika insgesamt 378 bilaterale Projekte, wobei 14 auf den Sudan und 20 auf Ägypten entfallen.
Editiert von Benjamin von Wyl
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