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75 Jahre alt und immer noch im Aufbruch

Hat seinen Traumberuf noch nicht gefunden. Keystone Archive

Er ist der einzige deutsch-sprachige Schauspieler mit einem Oscar und er besitzt einen Schweizer Pass: Am Donnerstag ist Maximilian Schell 75 geworden.

Den Oscar erhielt er für seine Rolle als Verteidiger eines Nazi-Verbrechers in «Das Urteil von Nürnberg», später profilierte er sich als Dokumentarfilmer und Opern-Regisseur.

Zu Beginn seiner Karriere stand Maximilian im Schatten seiner Schwester Maria Schell, die es als Schauspielerin schon nach Hollywood geschafft hatte.

«Als ich den Oscar bekam, dachte ich: Jetzt werden sie wohl nicht mehr vom kleinen Bruder schreiben», sagt er. Doch die Frankfurter Presse titelte dennoch «Der kleine Bruder von Maria Schell ist Oscar-Preisträger».

Der Tod seiner Schwester Maria im Frühling 2005 war ein schwerer Schlag für ihn. Sein bislang letzter Dokumentarfilm «Meine Schwester Maria» ist ein sehr persönliches und zuweilen rührseliges Porträt über die Tragödie einer kranken Frau, die in ihrer Einsamkeit vergangenem Ruhm nachtrauert und sich in die Welt ihrer früheren Filme zurückzieht.

Weltenbummler mit Schweizer Pass

Je nach dem wo über Maximilian Schell geschrieben wird, gilt er als Österreicher, Deutscher oder Schweizer. «Wenn ich was Schlechtes mache, bezeichnen mich die Österreicher als Schweizer. Und die Schweizer als Österreicher und die Deutschen eben als Österreicher oder Schweizer», sagt Schell in dem Zusammenhang.

Tatsächlich aber wurde er als Sohn eines Schweizer Schriftstellers und einer österreichischen Schauspielerin am 8. Dezember 1930 in Wien geboren. 1938 flüchtete die Familie mit ihren vier Kindern in die Schweiz. Mit 22 Jahren brach Schell sein Studium in Basel ab, um Schauspieler zu werden. Kurz darauf debütierte er am Theater Basel.

In seiner Jugendstadt Basel ist Schell heute nur noch selten anzutreffen. Seit seiner Heirat mit der russischen Schauspielerin Natalja Andrejtschenko im Jahre 1986 pendelt er zwischen Moskau, München und Hollywood.

Als Deserteur ins Filmgeschäft

Seine erste Filmrolle erhielt Maximilian Schell 1955. Er spielte den Deserteur in dem deutschen Film «Kinder, Mütter und ein General» von László Benedek.

Im selben Jahr machte er auch in der deutschen Produktion «Es geschah am 20. Juli» mit. 1957 war er in Werner Düggelins «Taxichauffeur Bänz» erstmals in einem Schweizer Film zu sehen.

Nachdem er auch am Broadway aufgetreten war, wurde der gut aussehende «Deutsche» 1958 von der 20th Century Fox für «The Young Lions» in der Regie von Edward Dmytryk neben Marlon Brando engagiert. Schell spielte, wie öfters in seiner Karriere, einen Nazi-Offizier.

Der Durchbruch kam 1961: Für seine Rolle des deutschen Verteidigers in «Judgement at Nuremberg» von Stanley Kramer erhielt Schell den Oscar als bester Hauptdarsteller. Es folgten 1964 «Topkapi», 1967 «The Deadly Affair» und 1947 «Counterpoint».

Dennoch blieben ihm die ganz grossen Rollen vorenthalten, was ihn mit einer manchmal nur wenig überspielten Bitterkeit erfüllte. In Amerika blieb der Charmeur und Bonvivant ebenso Aussenseiter wie in Deutschland.

Rückzug hinter Kamera

Zwischen den Filmarbeiten spielte Schell weiterhin Theater. 1959 verpflichtete ihn der deutsche Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens ans Schauspielhaus Hamburg. Von 1978 bis 1982 war er der bejubelte «Jedermann» der Salzburger Festspiele.

Gleichzeitig profilierte sich Schell als Filmproduzent und –Regisseur. Seine erste Produktion war «Das Schloss» von 1968 nach Franz Kafka und sein Regie-Erstling «Erste Liebe» von 1970 nach Iwan Turgenjew.

Den grössten Erfolg als Regisseur feierte er 1975 mit der Verfilmung des Romans «Der Richter und sein Henker» von seinem Freund, dem Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt.

Seit den 1980er-Jahren profilierte sich Schell als Dokumentarfilmer. Er war der Einzige, der die zurückgezogene Marlene Dietrich zu Interviews überreden konnte. Seine Dokumentation «Marlene» von 1983 wurde mit dem New Yorker Kritikerpreis ausgezeichnet.

Ewige Suche

Im Grunde sei er immer noch auf der Suche nach dem «Traumberuf» sagte Schell vor seinem 75. Geburtstag. Deshalb wohl wandte er sich in den letzten Jahren auch der Oper zu. 2001 inszenierte er in Los Angeles auf Einladung von Placido Domingo Wagners «Lohengrin» und in diesem Jahr den «Rosenkavalier» von Richard Strauss.

Schell selbst sieht sich in allen Tätigkeiten auf der Bühne und im Film stets als Suchender: «Die Suche nach dem Wichtigen, dem Wesentlichen, das ist es, was den Schauspieler ausmachen kann.» Dabei gehe es ihm letztlich um die «Liebe zum Menschen», erklärte Schell.

swissinfo und Agenturen

Die wichtigsten Filme mit und von Maximilian Schell:

«Kinder, Mütter und ein General», 1955, erster Filmrolle

«Taxichauffeur Bänz», 1957, erste Rolle in Schweizer Film

«The Young Lions», 1958, erste Rolle in Hollywood-Film

«Judgment at Nuremberg», 1961, Oscar für Rolle als Verteidiger

«Topkapi», 1964

«Deep Impact», 1998

«Der Richter und sein Henker», 1975, grösster Regie-Erfolg

«Marlene», 1984, New Yorker Kritiker-Preis

«Meine Schwester Maria», 2002, vorläufig letzter Film

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