Acht Weltpremieren am Filmfestival Locarno
Ein international breit gefächertes Wettbewerbsprogramm, viele Weltpremieren auf der Piazza, eine starke Schweizer Präsenz sowie das erste E-Kino sind die Merkmale des diesjährigen Filmfestivals Locarno TI.
Der wichtigste Schweizer Filmanlass nimmt sein neues Reglement ernst und programmiert nur noch Filme, die als Welturaufführungen oder als Internationale Premieren gezeigt werden können: Die Filme sind weder an einem anderen Festival gelaufen noch ausserhalb ihres Ursprungslandes im Kino zu sehen gewesen.
Auf der Piazza Grande werden insgesamt acht Weltpremieren und sechs Internationale Premieren gezeigt. Neu ist zudem, dass die Piazza-Filme – zwei ausgenommen – anschliessend auch im regulären Schweizer Kino zu sehen sein werden. Das Festival findet vom 2. bis zum 12. August statt.
Appellations Suisse
Mit einem Wettbewerb mit 19 Filmen aus 15 Ländern zeigt sich Locarno diesmal besonders kosmopolitisch. Aus Deutschland, Frankreich und Portugal kommen je zweiArbeiten, und die Schweiz, Österreich, Italien, Grossbritannien, Island und Georgien sowie Brasilien, die USA, China, Japan, Hong Kong und Vietnam zeigen je ein Werk.
Der neue Festivalpräsident Giuseppe Buffi und Festivaldirektor Marco Müller stellten am Mittwoch (12.07.) in Bern das diesjährige Programm vor. Buffi hob besonders die Bedeutung des Schweizer Filmschaffens hervor: «Unser Land sollte sich der Bedeutung bewusst sein, die die eigene Filmproduktion für sein Ansehen hat», betonte er.
Tatsächlich ist im ersten Präsidialjahr von Buffi der Schweizer Film besonders prominent vertreten. Mit je rund 20 Kinofilmen und Kurzfilmen zeigt sich das Schweizer Filmschaffen von seiner besten Seite. In der Sektion «Appellations Suisse» werden, für die Gäste aus dem Ausland, neu die wichtigsten Filme des Jahres gezeigt.
«Baise-moi»
Im Wettbewerb dürfte der französische Film «Baise-moi», den Virginie Despentes nach ihrem gleichnamigen autobiografischen Roman gedreht hat, am meisten zu reden geben. In Frankreich ist der Film, die Geschichte zweier Frauen, die nur Morden und Sex im Kopf haben, als pornografisch verboten. Marco Müller betonte, dass der Film selbstverständlich nicht pornografisch sei.
Weitere Wettbewerbsbeiträge sind etwa «L’amour, l’argent, l’amour» des Deutschen Philip Gröning, der als Koproduktion mit der Schweiz entstandenist, «Hamlet» von Michael Almereyda aus den USA mit Ethan Hawke und Sam Shepard in den Hauptrollen, oder «Little Cheung» von Fruit Chan aus Hong Kong.
Die Schweiz ist im Wettbewerb mit «Azzurro», dem Zweitling des Wallisers Denis Rabaglia, vertreten, der auf der Piazza Grande zu sehen ist. Die Hauptrollen der Emigrationsgeschichte sind mit Paolo Villaggio, Jean-Luc Bideau und Marie-Christine Barrault prominent besetzt.
Neue Technik
In anderen Sektionen sind etwa die neuen Schweizer Filme von Jürg Neuenschwander («La vache positive planétaire»), Jacqueline Veuve («Delphine Seyrig»), Stefan Schwietert («El accordeon del diablo») oder Villi Hermann («Luigi Einaudi, l’esilio svizzero») zu sehen.
Die Sektion «Leoparden von morgen» ist diesmal spanischen und schweizerischen Kurzfilm-Produktion gewidmet. Mit insgesamt über 100 langen und 100 kürzeren Filmen bleibt Locarno ein Grossanlass, auch wenn, wie gesagt wurde, das Programm redimensioniert worden sei.
Schliesslich wurden einige technische Neuerungen angekündigt. Erstmals verfügt ein Schweizer Filmfestival über ein E-Kino, in dem nicht nur Videos, sondern auch CD Roms und Filme direkt ab Internet projiziert werden können. Zudem wurde auf der Piazza Grande sowohl das Licht- wie das Tonsystem verbessert – eine Investition von insgesamt rund einer halben Million Franken, wie Buffi sagte.
swissinfo und Agenturen
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