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Auf den Spuren der «Zitadelle der Schönheit»

Sanierungsarbeiten in Angkor Watt. Rolf Grossenbacher

Schweizer Architekten übernehmen im Auftrag der Direkton für Entwicklung und Zusammenarbeit die Konservierung eines kambodschanischen Tempels.

Das staatliche Engagement geht auf einen Besuch von Alt-Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz im Jahr 1996 zurück.

Vor rund 1000 Jahren entstand Angkor Wat, heute als Ruinenstadt im Nordwesten Kambodschas weltbekannt.

Die Tempelanlage ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südostasiens, doch erst seit 1990 wieder für Touristen zugänglich. Seither steigt die Zahl der Besucher jährlich. 2002 zählte man rund 500’000 Touristen; 2005 sollen es über eine Million sein.

Wichtige Einnahmequelle

«Momentan gilt die Tempelanlage Angkor Wat nach der Textilindustrie als zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes. Ich denke aber, dass die Tempelanlage in Zukunft sogar zur wichtigsten Einnahmenquelle wird», prophezeit Rolf Grossenbacher.

Der Architekt aus Burgdorf (BE) leitet mit seinem Partner Ueli Salzmann im Auftrag der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) die Sanierungs- und Konservierungsarbeiten am Tempel «Banteay Srei» («Zitadelle der Schönheit»).

Kein Wiederaufbau, sondern Konservierung

«Unsere Arbeit ist ein Sanierungs- und Konservierungsprojekt», sagt Salzmann. «Wir werden weder eine Restauration noch eine Anastylosis, also einen kompletten Wiederaufbau, durchführen. Wir möchten den Tempel einzig im diesem Zustand, wie er heute ist, erhalten.»

Seit Jahren kann das Regenwasser infolge von Ablagerungen von Blättern und Humus nicht mehr abfliessen, sondern sickert ins Fundament des Tempels. Dadurch haben sich Senkungen und Setzungen gebildet, die beträchtliche Schäden verursachen.

Aufgrund archäologischer Ausgrabungen entdeckten die Architekten eine bestehende Entwässerungsanlage. Diese wollen sie wieder funktionstüchtig machen.

Mit der Unterstützung eines Geohydrologen wird nun ein Programm ausgearbeitet, wie Regenwasser an der Oberfläche gesammelt und auf dem kürzesten Weg zum Teich geführt werden kann, welcher den Tempel umfliesst.

Tourismus als Gefahr

Die «Zitadelle der Schönheit» leidet zudem unter der Vielzahl von Touristen, die überall Zugang haben und uneingeschränkt auf dem Bauwerk herumklettern können. Die Anlage ist «überfordert», die Verantwortlichen im Dilemma.

Schützen oder reich werden? Amerikanisch-japanisch inspirierte Projekte liegen auf dem Tisch: Karaoke-Bars zwischen steinernen Krishnas und Shivas, Sound-and-Light-Spektakels oder Rolltreppen auf Tempelhügel. Doch wie stehen die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung? Architekt Ueli Salzmann:

«Solange internationale Organisationen und Fachleute auf diesen Anlagen arbeiten und Geld in die Region bringen, kann wohl verhindert werden, dass die Ruinenstadt zu einem Disneyland wird.

Bundesrat als Helfer in der Not

Das Projekt kam infolge eines Besuches von Alt-Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz zustande. Dieser hatte 1996 das Königreich besucht und dabei Hilfe beim Wiederaufbau der Tempelanlage zugesichert.

Der damalige kambodschanische Kulturminister Vann Molyvann, Architekt und mit einer Schweizerin verheiratet, schlug darauf die «Zitadelle der Schönheit» vor. Knapp eine Million Franken stehen den Verantwortlichen für die Dauer von drei Jahren zur Verfügung. 2005 soll das Projekt zu Ende sein.

Der Tempel war weder ein religiöser Tempel noch ein Königstempel, sondern die Wohnstätte eines Beraters des Königs.

Doch: «Die Zitadelle der Schönheit ist aufgrund ihrer Architektur und ihrer Struktur sicherlich einer der schönsten Tempel der ganzen Anlage», beschreibt Salzmann den Bau. «Zudem passt er gut zur Schweiz. Er ist klein, sehr schön und liegt ein wenig abseits.»

swissinfo, Carole Gürtler

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