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Das Schloss des «verrückten Schweizers»

Elfi und Paul Gross im Schloss. swissinfo.ch

Ein Werdegang ausserhalb aller Normen: Der Zürcher Paul Gross besitzt in Vescours in Frankreich das Schloss Montsymond.

Dort lebt und arbeitet der 74-Jährige zusammen mit seiner Frau Elfi.

Das Tor gibt den Zugang frei zu einem acht Hektaren grossen Park mit fünfhundert Jahre alten Bäumen. Wir befinden uns in Vescours, nicht weit vom Burgund mit seinen Rebbergen und der Bresse mit ihren Poulets entfernt.

Im Jahr 1571 erbaut und im 17. Jahrhundert durch gedeckte Gänge und Türme erweitert, umfasst das Schloss 22 Zimmer und ebenso viele Kamine. 1998 hat Paul Gross das Schloss renoviert, nachdem es während 30 Jahren unbewohnt gewesen war.

Luxusbauer

Der Zürcher blickt auf ein bewegtes Berufsleben zurück. Er war Bauer, Holzfäller, Polizist, Verleger, Bergführer, Skilehrer, Buchhalter, Bankmakler.

«Mit 14 habe ich meine Familie verlassen und mein Leben selbst in die Hand genommen. Klar, dass das nicht zu einem normalen Leben führte», begründet Gross im Gespräch mit swissinfo sein ungewöhnliches Leben.

«Mein Vater wollte, dass ich in die Fabrik arbeiten gehe. Ich sagte Nein, ich bin kein Mensch, der in der Fabrik arbeitet. Ich bin ein freier Mensch. Ich will Bauer werden.»

Heute bezeichnet sich Paul Gross gerne als «Luxusbauer». Schlossherr sei ja ein Zustand und kein Beruf, stellt er lachend fest. «In meinem Leben habe ich sehr viel selber gemacht, natürlich auch Fehler. Aber wenn ich etwas beginne, dann führe ich es auch zu Ende.»

Eine Frage des Überlebens

Paul Gross hat die Schweiz 1993 nach einem dramatischen Ereignis verlassen. In den Ferien in den USA wurde seine damalige Frau von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Gross musste zusehen.

«Ich wollte das schreckliche Ereignis für mich alleine verarbeiten. Darum bin ich in ein grosses Land mit einem weitem Horizont gezogen. In Frankreich kannte mich keiner, und die Leute sprechen eine andere Sprache. Meine Kinder haben mir gesagt, ich sei ein Egoist.» Auch zwölf Jahre danach bleibt die Kluft zwischen Gross und seinen Kindern bestehen.

Damals fuhr er während sechs Monaten mit dem Auto durch Frankreich. Schliesslich lässt er sich im Jura nieder, kauft ein Haus und renoviert es. Während seinen zwei Jahren im Jura veranstaltete er auch Konzerte.

Der Rest ist Schicksal: Gross verliebt sich in eine frühere Bekannte. In einer Kleinanzeige ist ein Schloss zu verkaufen. Paul und Elfie sind heute verheiratet und wohnen und arbeiten im Schloss Vescours.

Das Hotel

Das Schloss Montsymond ist mittlerweile ein Hotel. Gross und seine Frau arbeiten hier bis zu 18 Stunden am Tag. Sie kümmert sich um die Wäsche, das Bügeln, die Zimmer und die Küche. Er empfängt die Gäste und ist für den Park zuständig.

«Arbeiten, das ist mein Leben. Ich lebe nicht das normale Leben eines Deutschschweizers. Die träumen von einer frühen Pensionierung mit einer möglichst guten Rente und vom Nichtstun», erzählt Paul Gross.

Wie wird Gross, ein Deutschschweizer und Besitzer eines Schlosses, von den Leuten in der Region akzeptiert? «Man hat mir den Übernamen ‚le Suisse fou‘ gegeben. Ich muss sagen, dass die Leute hier eher konservativ sind. Inzwischen akzeptieren sie meine Arbeit, aber sie haben eine gewisse Distanz behalten, trotz unseren guten Kontakten.»

Leben

Wieweit hat sich Paul Gross in Frankreich assimiliert? «In meinem Herzen bin ich immer Schweizer geblieben. Aber ich akzeptiere, dass es auch andere Mentalitäten gibt und ich respektiere diese.»

Und wie sieht er die Schweiz aus dem fernen Frankreich? «Ich bin nicht zufrieden mit der Schweiz. Viele Schweizer leben nicht richtig. Es gibt immer mehr alte Leute, die lediglich ein ruhiges Leben anstreben. Hoch versichert und mit einer guten Rente. Eines Tages wird das nicht so weiter gehen können. Die Schweizer sind, abgesehen von Ausnahmen, nicht kreativ.»

swissinfo, Bernard Léchot, Vescours
(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)

Ende 2004 lebten 623’057 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland.

Die Mehrheit (377’383) lebt in Europa. Das sind 60,5%.

Die grösste Auslandschweizer-Gemeinde (166’199) lebt in Frankreich.

Der 74-jährige Zürcher Paul Gross war Bauer, Holzfäller, Polizist, Verleger, Bergführer, Skilehrer, Buchhalter, Bankmakler. Seine Ehefrau Elfi Gross arbeitete im Bankensektor.

1997 haben sie das Schloss Montsymond gekauft und es in ein Hotel umgebaut.

Das Schloss befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Vescours, welche zwischen dem Burgund der Bresse liegt.

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