The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Ein Basler Fotograf in New York

Willem de Kooning, fotografiert von Rudy Burckhardt, 1937. Kunstmuseum Basel

Rudy Burckhardt wanderte 1935 in die USA aus. Wichtigstes Gepäckstück: Eine Kamera. Heute sind seine Bilder in den Galerien von New York ausgestellt.

Das Kunstmuseum Basel bringt Burckhardts Bilder und Porträts in die Schweiz und zeigt auch seine Filme. Eine späte Ehre.

Das Kunstmuseum Basel zeigt zum ersten Mal 68 Fotografien und zwei Filme von Rudy Burckhardt in der Schweiz. Der Künstler, Sohn einer wohlhabenden und einflussreichen Familie aus Basel, war nicht nur Fotograf, sondern auch Maler, Filmemacher und Schriftsteller.

Das Stadtkino Basel zeigt in einem Rahmenprogramm eine Auswahl der mehr als 100 Experimentalstreifen, die Rudy Burckhardt im Laufe der Jahrzehnte produzierte.

Willem de Kooning und Rudy Burckhardt: eine enge Beziehung

Gleichzeitig widmet das Kunstmuseum Basel Willem de Kooning eine Ausstellung. Die Schau konzentriert sich auf das malerische Werk der Jahre 1960 bis 1980 des aus Holland stammenden Künstlers. De Kooning, Vertreter des Abstrakten Expressionismus, und Rudy Burckhardt waren in New York befreundet und pflegten eine lange Beziehung.

Burckhardt fotografierte nicht nur den jungen, damals noch unbekannten de Kooning im Atelier, sondern später auch andere bedeutende Künstler wie Jackson Pollock, Hans Hofmann, Larry Rivers, Joan Mitchell oder Alex Katz.

In der Schweiz wenig bekannt

Das Werk von Rudy Burckhardt ist in der Schweiz weit weniger bekannt als dasjenige von Robert Frank, dem anderen Schweizer Fotografen, der zeitgleich in New York fotografierte. Was Burckhardt in der Schweiz vorenthalten blieb, gelang ihm in den USA: Rudy Burckhardt schaffte den künstlerischen Durchbruch in New York. Seine Filme und Fotografien sind in New York im «Museum of Modern Art» und im «Metropolitan Museum» vertreten.

Eine Würdigung seines Gesamtwerkes in der Schweiz hat der Foto- und Filmkünstler aus Basel nicht mehr erlebt. Ein Jahr vor seinem Selbstmord in Searsmont, Maine (7.1.1999), fand jedoch eine umfassende Retrospektive im spanischen Valencia statt.

Rudy Burckhardt, ein kosmopolitischer Flaneur

Die Ausstellung des Kunstmuseums Basel «New York Moments» zeigt zwei Schwerpunkte aus dem Werk von Burckhardt: Bilder und Filme. Der Autodidakt musste sich aus der kleinräumigen Schweiz kommend in Manhattan zuerst an die Grössenverhältnisse der Metropole gewöhnen.

Das brauchte Zeit. Aus dem subjektiven Beobachter von New Yorker Strassenszenen und dem Entdecker von Lichtblicken gewöhnlicher Tage wurde im Verlauf von Jahrzehnten der kosmopolitische Flaneur mit dem scharfen Sinn für Raum und Zeit.

Rudy Burckhardt fotografierte entlang der Trottoirs, undokumentarisch, verspielt und poetisch, mit dem Blick auf das Zufällige und Puritanische, das im Getöse der Grossstadt vor Burckhardts Linse immer wieder aufblitzte. «Rudy Burckhardt ist der klassische Fotograf von Manhattan», schrieb der Beatpoet Allen Ginsberg über den Schweizer Fotografen aus Basel.

Ein Werk, das in keine Schublade passt

Über den Stellenwert des Werks von Rudy Burckhardt sind sich die Experten uneinig. Während die einen die Balance zwischen Rebellion und Tradition in seinen Bildern langweilig finden, sind andere davon überzeugt, dass das fotografische Werk über New York von Rudy Burckhardt in der Tiefe der Zeit an Bedeutung gewinnen wird. Einig sind sich die Sachverständigen darüber, dass Rudy Burckhardt schwierig einzuordnen ist.

Einen sichern Platz hat Rudy Burckhardt mit seinen Künstlerporträts erreicht. Das Kunstmuseum Basel dokumentiert mit Burckhardts Menschenbildern, wie nachhaltig sich der Fotograf aus Basel mit zahlreichen Intellektuellen und Kunstschaffenden seiner Zeit einliess. Viele der Porträts entstanden in Zusammenarbeit mit der Kunstzeitschrift «Art News». Das Werk von Andy Warhol fotografierte er für die renommierte «Castelli Gallery».

Die Kamera macht «click», der Film kennt die Weile

Bei seiner Arbeit mit der Filmkamera faszinierte Rudy Burckhardt das Zeiterlebnis, wie er 1993 in einem Gespräch mit Martica Sawin von der «Smithonian Institution» bemerkte: «Filmen scheint mir einfacher als die Fotografie. Bei der Fotografie muss beim Click alles stimmen, nachher ist nichts mehr veränderbar. Beim Filmen kann eine Einstellung zwei-, fünf oder eine halbe Sekunde dauern. Ich muss im Film weniger perfekt sein als in der Fotografie.»

Wie poetisch und nachhaltig Burckhardts Filmarbeit war, ist ihm Rahmenprogramm zur Ausstellung des Kunstmuseums Basel zu sehen. Das Stadtkino Basel zeigt «Under the Brooklyn Bridge», eine Produktion aus dem Jahr 1953, mit Musik von Claude Debussy und Francis Poulenc, gespielt auf zwei Klavieren von Arthur Gold und Robert Fizdale. Protagonisten des Films sind Kinder, die unter der Brooklyn Bridge spielen.

swissinfo, Erwin Dettling

Rudy Burckhardt – New York Moments, Fotografien & Filme
Kunstmuseum Basel, 17. September 2005 – 22. Januar 2006

Rudy Burckhardt (1914–1999) zog 1935 aus der Schweiz 1935 nach New York.

Zuerst war er überwältigt «von der Grösse und der endlosen Energie dieser Stadt». Es dauerte dann auch zwei Jahre, bis er anfing, seine neue Lebenswelt zu fotografieren.

In den 1940er-Jahren begann seine Serie heute klassischer Aufnahmen von New York. Unter anderem fertigte er auch filmische Stadtproträts an: «The Climate of New York» (1948) und «Under the Brooklyn Bridge» (1953).

Ein weiterer Schwerpunkt in seinem fotografischen Oeuvre bilden Künstlerporträts, die Burckhardt vor allem für die Kunstzeitschrift «Art News» machte.

1999 beging Rudy Burckhardt Selbstmord.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft