Erfolgreicher Abschluss der 22. Solothurner Literaturtage
Mit einer Lesung von Hugo Loetscher endeten am Sonntagnachmittag (04.06.) die Solothurner Literaturtage. Trotz Schönwetter besuchte die Rekordzahl von gegen 8000 Interessierten die rund 50 Veranstaltungen.
Das grösste Publikumsaufkommen verursachten erwartungsgemäss die bekannten Namen: Jürg Federspiel, Mariella Mehr, Hugo Loetscher, Mathias Gnädinger (Meienberg-Texte) und Bachmannpreisträger ’95 Franzobel beispielsweise verzeichneten je etwa 400 bis 500 Zuschauer.
Doch auch Neulinge wie Catalin Dorian Florescu, Lukas Bärfuss, Christina Buchmüller und Rafael Urweider füllten die Säle. Das Niveau war konstant hoch, Humor weit verbreitet, Highlights dicht gestreut.
Einzig die Podiumsdiskussionen befriedigten nicht ganz. «Schweiz im Zwielicht» verlief unergiebig, «Zählen, Erzählen. Wissen schafft Phantasie» – das Motto der Literaturtage – kam aus Zeitmangel kaum über die Grundlagen der Sprachphilosophie hinaus. Viele Zuhörer hätten gern mehr über das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit, Subjektivität und Objektivität, Fiktion und Fakten erfahren.
Nebulöses Schüssel-Erlebnis
Einen zwiespältigen Eindruck hinterliess die mit Spannung erwartete Diskussion über die Haltung der Schweizer Regierung zum rechtslastigen Österreich. Ausgelöst worden war sie durch die ursprüngliche Weigerung des französischen Star-Dramatikers Michel Vinaver, aufzutreten in einem Land, dessen Bundesrat den roten Teppich ausrollt für Österreichs Bundeskanzler Schüssel.
Nach Vinavers einstündigem Monolog «Haider ist unter uns» reichte die Zeit kaum mehr für eine Vertiefung. Die österreichischen Podiumsteilnehmer Franzobel, Gerhard Roth und Anna Mitgusch beklagten die zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit in Österreich und verurteilten den Kulturboykott, wie er in Frankreich betrieben wird: er treffe die Falschen.
«Events»
Höhepunkte in Solothurn waren vor allem die Veranstaltungen mit Performance-Charakter. Jürg Federspiel etwa fand in der Lautmalerei der Jazzsängerin Corin Curschellas mächtige Verstärkung für seine witzig-bösartigen Gedichte. Und Mathias Gnädinger und Charlotte Heinimann verhalfen Gedichten und Reportagen von Niklaus Meienberg zu nie gehörter Plastizität.
Dank der bekannten Sängerin/Autorin Brigitte Schär und der 15jährigen indischen «Mahâbhârata»-Nacherzählerin Samhita Arni kamen auch 500 Kinder in den Genuss literarischer Events. Nach diesem erfolgreichen Probelauf soll Leseförderung in Solothurn auch in Zukunft einen festen Platz bekommen, wie Veronika Jaeggy von der Geschäftsleitung versichert.
swissinfo und Agenturen
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