Fans feiern oder trauern
Fussball-Begeisterte feierten Brasiliens WM-Sieg in ungestümen Parties. Oder mussten sich gegenseitig über die deutsche Niederlage hinwegtrösten.
Nach dem Sieg der brasilianischen Fussballer gegen die deutsche National-Elf gingen in der Schweiz Tausende von Fans auf die Strasse, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen.
Im Zürcher Stadtkreis 5 – seit je her multikulturell und mehrfach schon Feststätte für Fussball-Fans – blockierten gegen 10’000 Begeisterte die Langstrasse.
Brasilianer, andere Latinos, Fussball-Anhänger und Einheimische im Gelbfieber – der Tricotfarbe der siegreichen Mannschaft – strömten zu Tausenden ins ebenso berüchtigte wie schillernde Vergnügungsviertel Zürichs.
Das Bier floss vor, während und vor allem nach der Final-Partie in Strömen – der Schweiss ebenfalls. Mit jeder Caipirinha geriet das Blut noch mehr in Wallung und beim Blick auf die kaum bekleideten Samba-Tänzerinnen legten gar die Schweizer Schaulustigen ihre Zurückhaltung ab. Mehr als nur ein Hauch Rios war spürbar, ein Karneval im Miniformat quasi.
Die Eingeborenen tanzen mit den Zugewanderten
Längst nicht alle Party-Besucher waren der portugiesischen Sprache mächtig; eines einte sie alle: Sie freuten sich über die wunderbaren Geniestreiche Ronaldos und tanzten sich zwischen gestrandeten Autos auf dem wortwörtlich heissen Pflaster die Füsse wund.
Manch ein Anhänger vom Schweizer Rekordmeister GC wird beim Gang durch «Klein-Rio» im «Chreis Cheib» – heute eher vornehm «Zürich West» genannt – eine Hühnerhaut bekommen haben: Ausserhalb von Basel finden Meisterfeiern in der Schweiz im intimen Rahmen statt.
Einen solch gewaltigen Massenauflauf nach einer Fussball-Partie hat eine Schweizer Stadt lange nicht mehr gesehen. Und das alles in friedlicher Atmosphäre.
Deutsche ohne Freude
Auch in der Schweiz verfolgten viele Fans das Spiel, in der Hoffnung, dass Rudi Völlers Team gewinne (siehe Link am Ende des Artikels). In Deutschland hatte das Endspiel Fans nach draussen vor die grossen Bildschirme gelockt. Allein in Hamburg hatten sich trotz Regenwetters 80’000 Fans getroffen und die Hansestadt nach den riesigen Feten beim Viertel- und Halbfinal zur WM-Party-Hauptstadt gemacht.
In München hatte man mit einer Videowand am Siegestor auf ein gutes Omen gehofft. Bei einem Sieg hätte es im Hofbräuhaus «WM-Freibier» gegeben. Auch in Frankfurt mussten sich Tausende Fussball-Begeisterte vor der erstmals aufgestellten Grossleinwand gegenseitig trösten.
In Berlin hatten sich Fans auf ein Dutzend Plätze der Stadt verteilt. Vor dem Sony-Center am Potsdamer Platz, auf dem Kollhoff-Gebäude mit zwei Videoschirmen in 90 Meter Höhe und bei anderen öffentlichen WM-Partys lichteten sich die Reihen in Minutenschnelle.
Die Gesänge verstummten, die Fahnen wurden eingerollt, die schwarz-rot-goldene Begeisterung endete im Tal der Tränen: Der Schlusspfiff im WM-Final war gleichzeitig das Ende der grössten Fussball-Party aller Zeiten in Deutschland.
swissinfo und Agenturen
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