Frankfurter Buchmesse: Eklat
Der Chef der Buchmesse, der Schweizer Lorenzo Rudolf, muss nach nur zwei Jahren gehen.
Gut drei Monate vor Beginn der diesjährigen Buchmesse (9. bis 14. Oktober) steht das Organisationsteam damit ohne Chef da. Zum weltgrössten Treff der internationalen Buchbranche kommen Jahr für Jahr rund 6500 Aussteller und bis zu 300’000 Besucher und Besucherinnen nach Frankfurt. Auch für die Schweizer Literatur-Szene ist die Buchmesse von beachtlichem Interesse.
Die «Chemie» stimmte nicht
Der Vertrag mit Lorenzo Rudolf als Geschäftsführer der Ausstellungs- und Messe GmbH (AuM) sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch mit.
Grund für die sofortige Trennung seien «unterschiedliche Auffassungen über die Zusammenarbeit» zwischen Rudolf und dem Aufsichtsrat der AuM. Diese ist eine hundertprozentige Tochter des Börsenvereins.
«Die Kommunikation und die Kooperation waren einfach nicht so, dass das dauerhaft zu einer vernünftigen Arbeit führen konnte», sagte der AuM-Aufsichtsrats-Vorsitzende Hubertus Schenkel. «Der Bogen war überspannt.»
Auch der Vertrag des – neben Rudolf – zweiten Geschäftsführers, Joachim Kehl, wurde aufgelöst. Mit diesem gebe es jedoch zur Zeit noch Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit in anderer Form.
Nachfolger gesucht
Vorläufig werde der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Harald Heker, Rudolfs Geschäfte zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben übernehmen, versicherte Hubertus Schenkel.
Er sei zuversichtlich, dass Rudolfs Nachfolge schnell geregelt werden könne. Den oder die Nachfolger/in sucht die Buchmesse nicht innerhalb des Hauses, sondern ausserhalb.
Lorenzo Rudolf selber wollte sich am Mittwoch wegen noch laufender Abfindungsverhandlungen nicht zu der Entscheidung äussern. Der 43 Jahre alte Schweizer war erst seit März 2000 Buchmessen-Chef. Die bevorstehende Messe mit dem Gastland Litauen wäre die dritte unter seiner Leitung gewesen.
Litauen bedauert
Die litauischen Organisatoren des Gastland-Auftritts bedauerten die Trennung von Rudolf. «Wir sind traurig, wir hatten eine ganz normale und sehr ertragreiche Zusammenarbeit mit ihm», sagte Kultur-Vizeministerin Ina Marciulionyte in Vilnius. Die Personaländerung werde aber «keinen so grossen Einfluss auf unseren Auftritt haben, weil die meisten Dinge bereits vorbereitet sind.»
Rudolf, der vor der Buchmesse die Kunstmesse Art Basel geleitet hatte, war in den eigenen Reihen schon seit längerer Zeit umstritten. Auf der Buchmesse im vergangenen Jahr waren die Wogen hoch geschlagen. Rudolf entscheide am Aufsichtsrat vorbei, so einer der Vorwürfe, er sei kein Team-Mensch, sondern «kungele» gern.
swissinfo und Agenturen
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