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Macht das Schweizerkreuz des Schweizers Heimat aus? (Bild: teddybearpages.com) Stefan Lindgren

Sind Heimat und Heimweh Varianten einer hartnäckigen Krankheit? Heimat wird komplex, wenn jeder überall sein kann.

Mehr als 600’000 Schweizerinnen und Schweizer haben ihre Heimat ausserhalb des Heimatlandes.

Landauf und landab gleichen sich die Schweizer Innenstädte immer mehr. Überirdisch die Fussgängerzonen, das Kopfsteinpflaster, das Fachwerk, der transeuropäische Mix von Boutiquen und Warenhausketten; versteckt und unterirdisch die gefassten und begradigten Flüsse und Bäche, die unbemerkt an uns vorbei rinnen.

Das Einzigartige und Unverwechselbare werden verdrängt; sie bestehen den Test des Marktes nicht mehr. Das Unikat verliert an Wert, es siegt die Norm.

Noch klammern wir uns an die Heimat, an unsere Heimat, an einen Ort oder Zustand, wo sich die Pupillen verengen, wo der Tunnel- und Röhrenblick gestattet ist und Tränen fliessen dürfen.

Heimat, ein flüchtig Geblüt

«Braucht die Heimat eine Flagge?», fragt der Schriftsteller Max Frisch in seinem berühmten Heimat-Fragebogen. Braucht die Heimat das Lampion, das Weisse Kreuz im Roten Feld, die Bratwurst und den Cervelat, das Augustfeuer, die Kirchenglocke, die Landsgemeinde, den Alpaufzug, die Chilbi, das Verkehrshaus und das Matterhorn, die Banken und die Chemie, die Streetparade und die Feldschützen?

Ein flüchtig Geblüt ist die Heimat, die einem abhanden kommen kann. Wir reden viel von ihr, suchen, inszenieren und erfinden sie, reisen in ferne Länder, flirten mit der Heimat jener Menschen in der Ferne. Und doch ist sie nicht tauschbar. Die Heimat, la maladie du pays, scheint eingeritzt in der Rinde des Herzens und in der Tiefe der Erinnerung.

Heimat auf Reise

Wie ist sie, die Heimat, und wohin geht sie? Wie tönt sie? Wohnt die Heimat «abem Guggisbärg», wo’s Vreneli und Hansjoggeli seit Jahrhunderten in Moll ihr Dasein fristen? Ist uns heute die Heimat der helvetischen Popgruppe «Plüsch» nicht näher, die uns mit ihrem Heimat-Song das Ohr mit «Weh nach de Bärge, nach em Schoggi und em Wy» in Dur voll dudelt?

Kann man die Heimat mit in die Fremde nehmen? Was wird dort aus dem Gebilde aus sechs Buchstaben? Im Jahr 2004 haben sich 10’495 Schweizerinnen und Schweizer daheim abgemeldet. Im gesamten leben 623’057 Schweizer Staatsangehörige im Ausland. Seit 1990 hat die Zahl der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer um rund 168’000 zugenommen. 442’643 Personen sind Doppelbürger. 377’383 Personen befinden sich in Ländern der Europäischen Union (EU).

Die größte Gemeinschaft der Fünften Schweiz ist in Frankreich (166’199) angesiedelt, in Deutschland leben 70’455 Landsleute, in Italien 45’442, in Großbritannien 26’617, in Spanien 21’532 und in Österreich 12’980. Außerhalb Europas leben die meisten Auslandschweizer in den USA (71’419), Kanada (35’776), Australien (20’765), Argentinien (14’784), Brasilien (13’512), Israel (11’149) und Südafrika (8’805).

Heimat, voll vernetzt

Wird die Heimat in der voll vernetzten Welt überleben, wo jeder und jede jederzeit mit seiner Heimat via Glasfiberkabel oder Satellit in Kontakt bleiben kann? Braucht es noch Heimat, wenn wir Länder vor allem als Standorte für neue Märkte, als Potential und Objekt für Investitionen wahrnehmen?

Schafft die Mobilität das Heimweh ab? Lohnt es sich, das Heimweh zu kultivieren, diesen süssen Schmerz zu erdulden, wenn uns Billigcarrier für 19 Franken von Berlin nach Zürich oder für 829 Franken im Roundtrip von Frankfurt nach Bombay bringen?

Heimat und Manege

Heimat braucht Berührung; sie riecht und manchmal stinkt sie. Heimat: Das sind die anderen.

Heimat ist das Netz, in das man sich fallen lassen kann, wie im Zirkus. Je enger die Maschen, desto leichter stehen wir auf, verbeugen uns dankend in der Vorstellung des Lebens.

swissinfo, Erwin Dettling

623’057 Schweizer Staatsangehörige leben im Ausland.
442’643 sind Doppelbürger.
377’383 leben in der EU.
Die grösste Auslandschweizer Gemeinde ist in Frankreich.

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