Oscar-Show trotz Irak-Krieg
Die Zeremonie ging trotz des Irak-Kriegs über die Bühne. Der Schweizer Filmproduzent und sechsfache Oscar-Gewinner Arthur Cohn ist Mitglied der "Academy".
Im Gespräch mit swissinfo spricht er über Hollywood, die ausländische und die Schweizer Filmindustrie.
swissinfo: An diesem Wochenende fand die 75. Oscar-Preisverleihung statt. Sie sind seit langem im Filmbusiness tätig. Haben sich in dieser Zeit die Kriterien für die Auszeichnung von Filmen verändert?
Arthur Cohn: Es gibt in jedem Jahr wunderbare und weniger bedeutende Filme. Das hat sich nicht geändert. Die Qualität war aber zu den Blütezeiten von Hollywood im allgemeinen besser.
Etwas anderes ist aber äusserst beunruhigend: Vor 20, 15 oder 10 Jahren hatte man das Gefühl, dass der beste Film gewinnen würde und ein echter Wettbewerb um Qualität bestand. In den jüngsten Jahren aber haben die Ausgaben für die Publicity eines Films gigantische Ausmasse angenommen. Und dies könnte dazu führen, dass jener Film die meisten Stimmen erhält, für den am meisten Werbung gemacht wurde.
Ich bin der Meinung, dass die Qualität das Haupt-Kriterium für das Gewinnen eines Oscars sein sollte. Ich bin stolz darauf, dass ich für meine mit einem Oscar ausgezeichneten Werke nie Werbung betrieben und trotzdem gewonnen habe.
Haben Nicht-Hollywood-Filme heute bessere Chancen als früher?
AC: Ich glaube nicht. Es gibt meiner Meinung nach zwei Gründe, wieso ausländische Filme nie einen Oscar bekommen: Der Kampf um den Oscar für den besten ausländischen Film ist enorm. Da bewerben sich 50 bis 55 Filme um eine Nominierung. Dabei geht es nur um die Qualität.
Das beste, was einem ausländischen Film passieren kann – sollte er nominiert werden oder gar die Auszeichnung holen – ist, dass er weltweit in den Verleih kommt. Von meinen 6 Oscar-gekrönten Filmen fanden 4 zuerst keinen Verleiher. Als sie die Auszeichnung holten, fand ich überall auf der Welt Filmverleiher.
Wären Sie Jury-Mitglied für den Oscar: Nach welchen Kriterien würden Sie einen Film beurteilen?
AC: Ich würde den besten Film des Jahres nicht nur nach seiner Qualität beurteilen, sondern abwägen, wie der Film in Zukunft betrachtet würde. Ist der Film wirklich ein Meilenstein, wie die ersten berühmten Hollywood-Produktionen, die eine starke Ausstrahlung hatten und bis heute unvergessen blieben, weil sie exquisite Kunstwerke waren.
Wie häufig werden Sie von Schweizer Drehbuchautoren angefragt, und wie gross ist Ihr Interesse an der Schweizer Filmindustrie?
AC: Im letzten Jahr erhielt ich 370 bis 380 Scripts, von denen aber lediglich etwa 10 Beachtung verdienten. Meiner Erfahrung nach ist es leichter, eigene Ideen zu verwirklichen oder Drehbücher zu kaufen und sie abzuändern. Ganz selten nur findet man ein Drehbuch, das wirklich zufrieden stellend ist.
Leider konzentriert sich die Schweizer Filmindustrie zu sehr auf den lokalen Markt. Das Produkt ist meist von lokalem, nicht aber internationalem Interesse, obwohl die Schweiz durchaus etwas für den internationalen Markt zu bieten hätte.
swissinfo-Interview: Vanessa Mock
(Übersetzung: Gaby Ochsenbein)
Der Schweizer Filmproduzent Arthur Cohn ist sechsfacher Oscar-Preisträger und hat als einziger ausländischer Filmproduzent einen Stern auf dem berühmten «Walk of Fame» in Hollywood.
Die Oscars des Schweizer Filmproduzenten Arthur Cohn
«Nur Himmel und Dreck» (Bester Dokumentarfilm 1962)
«Der Garten der Finzi Contoni» (Bester ausländischer Film 1972)
«Sehnsucht nach Afrika» (Bester ausländischer Film 1977)
«Gefährliche Züge» (Bester ausländischer Film 1985)
«American Dream» (Bester Dokumentarfilm 1991)
«Ein Tag im September» (Bester Dokumentarfilm 2000)
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