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Paris 2004: Schweiz frustriert

Die Lichter sind aus. Die Vison des Schweizer Chefarchitekten Bernard Tschumi von der Weltausstellung 2004. www.images-2004.com

Die Weltausstellung 2004 in Paris ist abgesagt. Die Schweiz, die bereits mit den Vorbereitungen begonnen hat, zeigt sich enttäuscht, aber nicht überrascht.

Die Weltausstellung in Paris hätte sich mit dem Thema «Bilder» beschäftigt und sah Schwerpunkte in den Bereichen Kunst, Design, Film, Architektur und Werbung vor.

Der neue französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin begründete seinen Absage-Entscheid mit dem finanziellen Risiko des 380 Mio. Euro teuren Projektes sowie dem geringen Interesse des Auslands.

Bildverlust

Chefarchitekt der geplatzten Weltausstellung ist der Schweizer Bernard Tschumi. «Zum Thema ‚Bilder‘ hätte jedes Land etwas beitragen können. Jede Kultur hat eine andere Haltung gegenüber dem Bild. Darüber eine Debatte zu führen, wäre eine wunderbare Sache gewesen», meinte Tschumi gegenüber swissinfo. Fast ein Jahr Arbeit habe er in die Ausstellung investiert.

Zu den wenigen Ländern, die ihre Teilnahme bereits verbindlich zugesagt hatten, gehört auch die Schweiz. Erst Ende Juli wurde im Rahmen eines Ideenwettbewerbs das Projekt «archeopixel» der Architekten Bétrix & Consolascio und der Szenographin Audrey Tenaillon für den Schweizer Pavillon ausgewählt.

Das Schweizer Projekt besteht in einer Reflexion über die Beziehung zwischen dem Zeichen und dem Grundelement des Bildes, dem Pixel. «Dieses Projekt hat uns viel Arbeit gekostet», sagte Marie-Claude Bétrix vom Architekturbüro Bétrix & Consolascio auf Anfrage von swissinfo. Sie seien von der Absage sehr enttäuscht, wenn auch nicht völlig überrascht.

Verlorene Chance

Auch Jean-Jacques Cevey, der die Jury des Ideenwettbewerbs präsidierte, ist betrübt: «Natürlich müssen wir den Entscheid der französischen Regierung akzeptieren. Aber persönlich bin ich sehr enttäuscht, weil wir auf ein Projekt verzichten müssen, für das wir uns sehr engagiert haben», sagte der ehemalige Nationalratspräsident.

«Präsenz Schweiz», die Imageagentur des Bundes, bedauert den Entscheid: «Ganz klar eine verlorene Chance «, sagte Alessandro Delprete, Sprecher von «Präsenz Schweiz», gegenüber swissinfo. Die Absage habe ihn allerdings nicht überrascht. «Die französische Regierung hatte schon Anfang Juli angekündigt, sie werde das Projekt noch einmal überprüfen.»

Globale Treffpunkte

Die Absage der französischen Regierung wirft die Frage nach dem Sinn solcher Grossanlässe auf. Die Zahlen der letzten Jahre sind ernüchternd.

Der Millennium Dome in London blieb weit hinter den Erwartungen der Ausstellungsmacher zurück. Die Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 vermochte mit 18 Mio. Eintritten nicht einmal halb soviel Besucherinnen und Besucher anzuziehen wie Sevilla (1992, 40 Mio. Eintritte) und war mit einem Defizit von 2,1 Mrd. Euro ein finanzielles Desaster.

Die Schweizer Expo.02 hat soeben Halbzeit-Bilanz gezogen und bangt, ob sie – trotz Publikumserfolg – weitere Bundesgelder benötigt.

Die Frage nach dem Sinn von Weltausstellungen sei berechtigt, meint Tschumi, denn Weltausstellungen beruhten auf Ideen des 19. Jahrhunderts. «Dennoch ist es keine schlechte Idee, gemeinsame Treffpunkte zu haben. Dies ist besonders heutzutage wichtig, wo es so viele Missverständnisse zwischen Zivilisationen und Kulturen gibt.» Es gebe nicht nur die Fussball-Weltmeisterschaft, sondern auch andere Werte und Ideale, die es verdienten, diskutiert zu werden. «Vielleicht ist eine Weltausstellung ein solcher Treffpunkt», gibt Tschumi zu bedenken.

2005 in Aichi

Für Delprete von «Präsenz Schweiz» ist der Fall klar. «Solche Ausstellungen sind wichtig, weil sie es der Schweiz erlauben, sich im Ausland auf originelle Weise zu präsentieren.»

Sieben Mio. Franken wäre der Schweiz die Teilnahme in Paris wert gewesen. Davon wurden laut Delprete bereits 250’000 Franken ausgegeben. «Was wir nicht in Paris machen können, werden wir 2005 an der Weltausstellung in Aichi, Japan, machen.» Der Bundesrat hat dafür bereits 15 Mio. Franken gesprochen.

swissinfo

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