Presseschau vom 06.09.2002
Schweizer Grosskonzernen bläst momentan eine steife Brise ins Gesicht.
Die Presse beschäftigt sich aber auch mit drohenden Kriegen und alternativen Anlagemöglichkeiten.
Boulevardmässig knapp präsentiert sich die BLICK-Frontseite:
«Gopferteli! – 4500 Jobs bei ‚Zürich‘ futsch – ABB-Boss weg – Börsenchefin gibt auf!»
Die Aufzählung dieser Hiobsbotschaften gipfelt in der Frage:
«Was ist mit unserer Wirtschaft los?»
Der TAGES ANZEIGER stellt wehmütig fest:
«Die Schweizer Versicherungen galten einst als Symbole der absoluten Sicherheit. Und das nicht nur hierzulande, sondern in der ganzen Welt. Jetzt haben gleich drei von ihnen Probleme – notabene die drei grössten: die ‚Winterthur‘, die Rentenanstalt und die Zurich.»
Der TAGI weiter:
«Die Verantwortlichen haben zwar ihre Ledersessel auf den Teppichetagen räumen müssen. Doch wurden sie nicht wirklich bestraft (…). Im Gegenteil: In den Neunzigerjahren haben sie über Optionsprogramme Millionen kassiert.»
Die NEUE LUZERNER ZEITUNG kennt den Schuldigen des Zurich-Fiaskos genau. Es ist
«der damalige Chef Rolf Hüppi. Wild expandierend hat er die Zurich zu einem global tätigen Allfinanzkonzern verwandelt. (…) Regionale Finanzinstitute wie etwa die Kantonalbanken, die sich weiterhin vor allem auf ihr angestammtes Zinsmargengeschäft konzentrierten, wurden belächelt.»
Die NLZ beendet ihren Kommentar mit dem bitteren Fazit:
«Dass jetzt kleinere Brötchen gebacken werden, dass solide Arbeit wieder mehr zählt als das schnelle Geld an der Börse, ist sicher zu begrüssen. Leider zahlen für diese Einsicht aber einmal mehr die Angestellten die Zeche.»
Dazu die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:
«Das Management der Zurich hat Wort gehalten und einen ungeschminkten Halbjahresbericht vorgelegt. Die verabreichte Medizin schmeckt bitter.»
Im Hinblick auf die Börsenkurse meint die NZZ:
«Das unstete Auf und Ab der Zurich Financal Services Group nach der Ankündigung des weitreichenden Massnahmenpaketes vom Donnerstag deutet darauf hin, dass den Investoren die Einschätzung der mit dieser Transaktion verbundenen Risiken schwer fällt.»
Zum anderen Wirtschafts-Sorgenkind, dem schweizerisch-schwedischen Technologie-Konzern ABB titelt LE TEMPS:
«Jürgen chasse Jörgen: nouveau coup de théâtre au sommet d‘ ABB.»
Die AARGAUER ZEITUNG zählt eine Kurzgeschichte der ABB-Tragödie auf:
«Vor zwei Jahren der Rauswurf Lindahls als CEO. Vor wenigen Monaten der pitoyable Abgang Barneviks als Präsident. Jetzt der ‚Rücktritt‘ Centermans.»
«Schröder, Blair und das Irak-Dilemma»
Mit einem ganz anderen, auch global wichtigen Thema beschäftigt sich der Kommentar der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. Es geht um:
«Schröder, Blair und das Irak-Dilemma.»
Beleuchtet wird die Rolle des sich im Wahl-End-Kampf befindlichen deutschen Kanzlers:
«Schröder ist offenkundig fest davon überzeugt, dass eine energische und selbstbewusste Ablehnung einer möglichen Militäraktion gegen den Irak und vor allem sein im Ton einer unumstösslichen Tatsache vorgetragenes Nein zu einer deutschen Beteiligung bei den deutschen Wählern gut ankommen.»
Herausgearbeitet werden die unterschiedlichen Standpunkte der sozialdemokratischen deutsch-britischen Achse:
«Blair denkt nicht daran, wegen der Irak-Frage auf Konfrontationskurs zu Washington zu gehen. Er zeigt vielmehr Verständnis für die Argumentation der Administration Bush.»
Beim Wochenendtreffen von Blair und Bush, so der NZZ-Kommentar, kann man sich
«unschwer vorstellen, dass der britische Besucher dabei wesentlich mehr über die amerikanischen Pläne erfährt – und zweifellos auch bessere Möglichkeiten haben wird, diese zu beeinflussen – als der deutsche Bundeskanzler».
Eine andere Art, sein Geld zu mehren
Zurück zum dominanten Tagesthemenkreis, dem Gewinnen und Verlieren an Börsen und Märkten. Offenbar unter dem Einfluss des letzten Börsenjahres stellt der TAGES ANZEIGER im «Akonto»-Bund alternative Anlagemöglichkeiten vor:
«Warum nicht mal auf schnelle Pferde wetten?»
fragt sich der TAGI. Er hat nämlich folgendes herausgefunden:
«Zwischen Rennbahn und Börsenparkett gibt es die erstaunlichsten Parallelen.»
Aber wo, im Börsenbusiness, realisieren sich heute noch
«dreistellige Gewinnpotenziale».
Etienne Strebel
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