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Presseschau vom 10.09.2002

Der UNO-Beitritt ist auch Thema in der englischen "Financial Times". Keystone

Das Hauptthema der Schweizer Presse ist der Beitritt der Schweiz zur UNO.

Geschrieben wird von Ehre, aber auch von den Pflichten, welche sich durch die Aufnahme in die Weltgemeinschaft ergeben.

Der TAGES ANZEIGER stellt den Beitritt in die weltpolitische Prioritätenliste:

«Dass die Schweiz heute in die UNO aufgenommen wird, mag für die Welt eine selbstverständliche Nebensache sein – die Schweiz aber macht damit einen grossen Schritt.»

Der TAGI erklärt, dass die Schweiz nur jenen Platz einnehme, der ihr zustehe. Aber:

«Der Schritt vom Sonderling zum Partner korrigiert jedoch eine Fehlentwicklung.»

Die BERNER ZEITUNG findet, dass die Schweiz der Staatengemeinschaft viel zu geben habe:

«Schliesslich blicken wir auf 154 Jahre Erfahrung mit der direkten Demokratie zurück. Wir sind geübt im einvernehmlichen Umgang mit Minderheiten. Denn wir halten das Subsidiaritätsprinzip hoch – und zwar von unten nach oben und nicht wie in der EU von oben nach unten.»

Kommentator übrigens in der BZ: alt Bundesrat Adolf Ogi, der heute in UNO-Diensten ist.

Fahnenaufzug am East River

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG stellt fest, dass doch noch ein Stückchen Sonderfall symbolisch erhalten bleibe. Der Sonderfall sei die quadratische Schweizer Fahne:

«Alle anderen Flaggen vor dem UNO-Hauptgebäude – mit Ausnahme der nepalesischen Dreieckswimpel – sind nämlich rechteckig.»

Der UNO-Beitritt erfolge unter guten Vorzeichen, meint die NZZ. Begründet wird dies mit

«der glanzvollen Wahl des Berner Juristen Walter Kälin in den Uno-Menschernrechtsausschuss».

Im festen Griff von Uncle Sam

Die AARGAUER ZEITUNG befasst sich mit dem mächtigsten UNO-Mitglied – den USA – und kommt zum Schluss:

«Die USA sind zu stark für die Weltorganisation. (…) Härter als jemals zuvor demonstrieren die USA, dass sie die UNO nicht wirklich brauchen.»

Mit einer ähnlichen Thematik befasst sich die NEUE LUZERNER ZEITUNG:

«Zur Debatte steht auf Drängen der USA die Haltung der Weltgemeinschaft gegenüber dem Irak. Ob es (erneut) zu einem Angriff kommt, wird letztlich zwar in der US-Kapitale Washington entschieden. Fragen zur Legitimation eines Angriffs aber sind in der UN-Zentrale New York zu debattieren. Neu nun also auch mit der Schweiz.»

Das Fazit der NLZ: «Zum Glück. Denn auch Neutralität bewahrt uns nicht vor globalen Fragen zur politischen Moral.»

Dass der Schweizer UNO-Beitritt auch international ein Thema ist, zeigt die Sonder-Beilage der FINANCIAL TIMES:

«Switzerlands accession as 190th member of the UN, (…) marks a turning point in this Alpine country’s relations with the outside world»,

wird da festgestellt. Die FINANCIAL TIMES stellt die Schweiz vor mit Cliché-Bildern eines Fahnenschwingers, dem Bernhardiner mit dem Schnapsfässchen, einer militärischen Velotruppe, einem startenden Swiss-Jet. Die Wortbeiträge zeigen aber auch Tiefgang. Sie beleuchten die Verflechtungen der Schweiz mit dem Rest der Welt.

Etienne Strebel

Der UNO-Beitritt der Schweiz ist bereits vor dem offiziellen Akt das dominierende Thema der Schweizer Zeitungen.

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