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Presseschau vom 22.03.2003

Der massive Bombenhagel über Irak ist Hauptthema in der Schweizer Presse vom Samstag. Mit Analysen und Kommentaren versuchen die Zeitungen, den Krieg und dessen Auswirkungen zu erklären.

Auch die weltweite Protestwelle bleibt Thema in den Medien.

«Hölle Bagdad – Wie viele Menschen sterben hier?» fragt das Boulvard-Blatt Blick in Riesenlettern auf der Frontseite.

Lange herbeigeredet, und jetzt sei er seit zwei Tagen da: der Krieg. Neu und alt zugleich. Neue Waffen und Soldaten, neue Bilder und Gerüchte. Alt aber sei das Leid jener Millionen im Irak, die seit Jahren ums Überleben kämpften, schreibt die BERNER ZEITUNG und stellt die Frage:

«Muss man Bagdad mit Bomben eindecken, um Saddam loszuwerden?» Für die Zukunft stellt die BZ eine düstere Prognose: «Die gesalzene Rechnung des Terrorismus wird der Welt unerwartet präsentiert.»

Unter dem Titel «Explosives Gemisch» attestiert der TAGES-ANZEIGER den arabischen Staatschefs ein schlechtes Zeugnis. Abgesehen von wortreichen Absichtserklärungen hätte die Arabische Liga wenig getan, um den Irak-Konflikt zu lösen:

«Kein Wunder, dass die Wut der Menschen in den arabischen Ländern mit der Intensität des Kriegs zunimmt. Sie richtet sich nicht nur gegen die USA, sondern auch gegen die eigenen Regierungen.»

Die regionalen Führer hätten grosse Erfahrung darin, Proteste mit harter Hand niederzuschlagen, schreibt der TAGI weiter: «In Kairo zu demonstrieren, braucht viel mehr Mut als in Zürich.»

Kein Freipass für niemanden

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt von einem «Krieg für Entwaffnung und Regimewechsel». In einer umfangreichen Analyse über die Schreckens- und Gewaltherrscher dieser Welt kommt die NZZ zum Schluss, dass ein Freipass für die tyrannische Diktatur und die politischen Aspirationen eines Saddam Hussein und seiner Söhne zweifellos das Schlechteste wäre.

Eine Carte blanche für die Amerikaner und Briten bedeute dies aber nicht, wenn es in diesem Krieg um zivile Opfer gehe: «Eine vorsichtig und genau dosierte Anwendung von militärischer Gewalt erleichtert ihre politische Aufgabe, die keinesfalls ein Spaziergang sein wird.»

Nicht von Spaziergängen sondern von Vereinfachungen in Kriegszeiten schreibt ein Kommentator im Berner BUND und kommt zum Schluss:

«Krieg ist immer schlecht. Krieg kann nie ein Mittel sein, Probleme zu lösen. Das ist nicht grundsätzlich falsch; es ist sogar grundsätzlich richtig; aber es ist auch sehr einfach. Vielleicht so einfach, dass es halt doch falsch ist.»

Zu einfach seien auch die Weltanschauungen von US-Präsident Bush und Iraks Herrscher Saddam Hussein, so die BERNER ZEITUNG:

«In ihren simplen Weltbildern sind der mächtigste Mann der Welt und der Kriminelle vom Tigris, der für den Machterhalt das eigene Volk opfert, gleichermassen taub. Der Fanatismus hat viele Spielarten.»

swissinfo, Gaby Ochsenbein

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