Presseschau vom 25.02.2003
Die Energie-Etikette für "saubere" Autos ist ein Thema für die Zeitungen vom Dienstag. Diese Etikette dürfe jedoch kein Vorwand für eine weitere Herausschiebung der CO2-Abgabe sein, so der Tenor.
Thema zudem ist das Chaos bei den Eishockey-Playoffs.
Der Strassenverkehr belastet die Luft, und zwar stärker als von Gesetzes wegen erlaubt. Jetzt soll eine Energie-Etikette für «saubere» Autos eine Wende bringen, wie Verkehrsminister Moritz Leuenberger ankündigte.
Und die CO2-Abgabe? «Sie rückt näher», schreibt die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Bald allerdings nicht, meint das ST. GALLER TAGBLATT und titelt: «Keine Eile mit der CO2-Abgabe.»
Ähnlich tönt es in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG: «Energie-Etikette für Neuwagen – Vorläufiges Zuwarten mit CO2-Abgabe.»
Auch der CORRIERE DEL TICINO sieht das so. Die Energie-Etikette könnte die umstrittene CO2-Abgabe weiter herauszögern, schreibt das Blatt: «Potrebbe contribuire a tenere ancora lontana la discussa tassa sul CO2.»
Kritisch sieht es die BERNER ZEITUNG. Um das Klima zu schützen, müsse die Schweiz eine CO2-Abgabe einführen. Doch vorerst gebe es nur eine Energie-Etikette. Das Ganze ist für die BZ «ein Spiel auf Zeit». Für die BZ ist klar: «Weil die freiwilligen Massnahmen auf sich warten lassen und weil sie nicht ausreichen, wird die Einführung der CO2-Abgabe umso dringlicher.»
Die Energie-Etikette, die den Absatz verbrauchsarmer Fahrzeuge fördern soll, bezeichnet der Berner BUND als «‚G‘ für Benzinschlucker».
In der AARGAUER ZEITUNG tönt es ähnlich: «Dank Etikette Sprit sparen». Und die AZ schreibt weiter: «Wer die Energie-Etikette beherzigt, trägt somit ein kleines, aber nicht zu verachtendes Mosaiksteinchen zum grossen CO2-Einspar-Puzzle bei.»
Allerdings stecke Energie- und Umweltminister Moritz Leuenberger mit der Etikette im Dilemma, meint die BASLER ZEITUNG: «Mit der Energie-Etikette fördert er Dieselautos, die er aus Umweltgründen nicht fördern will. Auf der Etikette müssen Autohändler neu den Treibstoffverbrauch ihrer Wagen deklarieren.»
Das grosse Hockey-Chaos
«Ende gut, (fast) alles gut. Kein Playout, keine Liga-Quali und nächste Saison 13 NLA-Teams, wenn Basel oder Biel die NLB gewinnen – so wie es BLICK exklusiv vorausgesagt hat», rühmt sich das Boulevard-Blatt gleich selbst.
«Powerplay verhindert Playouts», titelt die BERNER ZEITUNG und fordert energisch: «Platz den Playoffs auf dem Eis.» Nach dem Entscheid der Nationalliga-Vertreter könne man hoffen, dass die Playoffs am grünen Tisch dem sportlichen Geschehen auf dem Eis Platz machten. Doch die BZ warnt: «Aber Vorsicht, der letzte Akt in der Operettenliga Schweizer Eishockey ist noch lange nicht über die Bühne.»
Das ganze Chaos im Schweizer Eishockey mitsamt dem sinkenden Niveau der Meisterschaft bewege die Basis kaum, schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER. Weder die Finanzaffäre um den ehemaligen Verbandspräsidenten Werner Kohler noch der Fall «Fribourg» halte das Publikum von den Stadien fern.
Fazit des TAGI: «Dem Publikum ist es egal.» Und die Tradition, dass sich die Konsumenten über «ihre» Mannschaften und die Spieler begeistern oder ärgern, nicht über Gentlemen aus den Klubs und deren Agreements, «diese Tradition bezwang im hiesigen Eishockey noch jeden Skandal».
Für die Genfer Zeitung LE TEMPS ist jedenfalls klar: Der Entscheid der Klubvertreter der Eishockey-Nationalliga entspricht einer «gestion pain et fromage», mit der die Nationalliga «ihr Image einer Bananen-Republik» gepflegt habe.
swissinfo, Jean-Michel Berthoud
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