Presseschau vom 28.03.2003
Den Schlussbericht zum Absturz der MD-11-Swissair-Maschine bei Halifax bewertet die Schweizer Presse positiv, auch wenn die eigentliche Ursache ungeklärt bleibt.
Ein weiteres Thema ist das Ende des Fussballclubs Lugano.
«Funkensprung löste Swissair-Katastrophe aus», titelt die BASLER ZEITUNG. Ein durch einen Lichtbogen ausgelöster Brand in der Nähe des Cockpits hat im September 1998 zum Absturz der MD-11 der Swissair vor der kanadischen Küste bei Halifax geführt.
Der Befund der kanadischen Untersuchungsbehörde, deren Arbeit alle Zeitungen als exemplarisch bezeichnen, kann aber nicht darüber hinweg täuschen: «Die eigentliche Ursache bleibt offen. » Dieses Fazit der NEUEN LUZERNER ZEITUNG teilt auch der Berner BUND: «Primäre Ursache bleibt ungeklärt.»
Auch für die Westschweizer Zeitung LE TEMPS schliesst der kanadische Untersuchungsbericht mit einem Fragezeichen, «par un point d’interrogation».
Der Aviatik-Experte Sepp Moser meint im BUND, der Absturz der MD-11 sei auf eine Verkettung von Umständen, von an sich nicht schwer wiegenden Unvollständigkeiten und von Zufällen zurückzuführen, «wie sie sich in dieser Konstellation und mit diesen Konsequenzen so gut wie sicher nie mehr ereignen werden».
Der Absturz von Halifax sei somit «ein Einzelfall, ein grausamer Schicksalsschlag» gewesen, schreibt Moser im BUND. «Wir müssen damit leben, dass es die absolute Sicherheit auch im Luftverkehr nie geben wird.»
Ähnlich sieht es das ST. GALLER TAGBLATT: «Endgültige Gewissheit über die Ursache der Katastrophe aber haben wir auch jetzt nicht erhalten – nach viereinhalb Jahren aufwändigster Arbeit müssen uns Vermutungen als Erklärung genügen, zurück bleibt Hoffnungslosigkeit.»
Ganz anders tönt es im Zürcher TAGES ANZEIGER: «SR 111 macht Luftfahrt sicherer», titelt der TAGI, der gar von einem «Weckruf für die Sicherheit» spricht. Allerdings warnt das Blatt vor dem Zeitgeist und der Liberalisierung des Luftverkehrs, welche die Fluggesellschaften zwängen, immer enger zu kalkulieren.
Für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG liegen nun dank dem Schlussbericht die Erkenntnisse auf dem Tisch. «Sie umzusetzen, ist Pflicht und Aufgabe der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden.»
Addio, FC Lugano!
«Lugano calcio – la partita è finita.» Das ist die Schlagzeile im CORRIERE DEL TICINO. Das Konkursverfahren gegen den Tessiner Traditionsverein ist eingeleitet, der Spielbetrieb ist eingestellt. «Das letzte Tor des FC Lugano», titelt der TAGES ANZEIGER. Und die die NZZ doppelt nach: «Ciao, Lugano, ciao.»
Das sei eben – bei allem Jubel um den FC Basel oder den schönen Hoffnungen mit dem Nationalteam – die andere Seite der Gegenwart im Schweizer Fussball, schreibt der TAGI: «Eine dunkle.»
Die AARGAUER ZEITUNG stellt sich die Frage, wer uns eigentlich vor solchen Präsidenten wie jenem des FC Lugano schütze, der seinem Verein das Grab geschaufelt habe. Und das Blatt erinnert daran, dass es noch andere derartige Club-Bosse gäbe oder gegeben habe. Das Fazit der AZ: Im Fussballgeschäft «ist Vertrauen nicht immer gut, Kontrollen sind in diesem Geschäft besser».
swissinfo, Jean-Michel Berthoud
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