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Presseschau vom 29.12.2003

Der Iran nach dem verheerenden Erdbeben, Italien mit dem Briefbomben-Attentat auf EU-Chef Prodi und die Parmalat-Pleite sind Themen in den Zeitungen vom Montag.

Obwohl nach wie vor stumm, schaffte es auch der Mars-Spürhund Beagle 2 in die Kommentars-Spalten.

Besonders registriert hat die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG die Hilfs-Aktivitäten Washingtons im katastrophen-geschädigten Land: «Erdbeben-Diplomatie Amerikas im Iran», hält die NZZ fest.

«Wächst Neues aus Ruinen?», fragt der Berner BUND, nachdem sich – «fast selbstverständlich eben» – auch die USA an der internationalen Hilfe beteiligt haben, mit Lieferungen von Gebrauchsgütern und der Entsendung von 200 Ärzten.

«Ganz selbstverständlich? Im Fall Irans eben nicht», so der BUND, denn die USA würden in der Islamischen Republik immer noch als «grosser Satan» gelten. Umgekehrt gehöre der Iran für die USA nach wie vor zur «Achse des Bösen».

Unter den Trümmern der nationalen Tragödie könnte jetzt das Pflänzchen Normalisierung spriessen. Bisher habe Staatspräsident Khatami direkte Kontakte mit dem Erzfeind stets abgelehnt, unter dem Druck der erzkonservativen Mullahs, so der BUND. «Ob er jetzt, nach dem grossen Erdbeben und der Hilfsbreitschaft der USA, mehr Spielraum erhält?»

Schutz für Italiens Elite in Frage gestellt?

Die NEUE LUZERNER ZEITUNG spricht von «schockierenden Sicherheitslücken» im Schutzdispositiv für die obersten italienischen Politiker. Dies nachdem EU-Chef Romano Prodi zu Hause in der Stube in Bologna ein Paket mit Sprengstoff geöffnet hatte, das ihm wahrscheinlich aus Anarchisten-Kreisen zugeschickt worden war. Der hohe Politiker blieb beim Vorfall unverletzt.

«Wenn der x-beliebige Signor Rossi ein unkontrolliertes Weihnachtspäckchen aufschnürt, ist das harmlos. Tut Romano Prodi das Gleiche, ist das bodenloser Leichtsinn», so die NLZ.

Ob der Schutz vor terroristischen Angriffen, den rund 700 Italiener erhalten, generell «so miserabel ist wie bei Prodi, für den man doch die höchste Gefährdungsstufe annehmen musste?», fragt die NLZ bitter. Denn: «Es ist sinnlos, Autos mit Polizisten vor die Haustür zu stellen, wenn die Attentäter die Bombe einfach der Post anvertrauen können.»

Keine italienische Krankheit

Die Genfer Zeitung LE TEMPS bezeichnet den Zusammbruch des italienischen Milchkonzerns Parmalat als «Fraude comptable: l’épidemie non maitrisée – Bilanzfälschung, die unkontrollierte Epidemie.»

Die Deliktreihe, betrügerischer Konkurs, kriminelle Organisation, Abzweigung von Geldern, falsche Dokumente zur Verschönerung katastrophaler Bilanzen, sei in dieser oder ähnlicher Form auch bereits bekannt von den Firmen Enron, WorldCom, Vivendi, Ahold, Alstom.

Gemeinsam sei diesen Pleiten, dass keine Kontrollinstanz da gewesen sei, welche die Notbremse hätte ziehen können. Und das blinde Vertrauen der Banken. Diese hätten auch das Kirch-Imperium, die Swissair, die BZ-Gruppe Martin Ebners oder zuletzt das Konglomerat der Erbgruppe – «fast irrational» – unterstützt. «Oui, le problème de la gouvernance des entreprises est toujours d’actualité. Aus Etats-Unis. En Europe. En Suisse également.»

Beagle 2 privat finanziert

Trotz des bisher stummen Marslandegeräts Beagle 2 sei die europäische Marsmission ein Erfolg, bilanziert der TAGES-ANZEIGER. Und: «Geld nicht verschleudert», hält er Kritikern entgegen. Denn das Mutterschiff Mars Express umkreise den roten Planeten auf einer präzisen Umlaufbahn – «eine technische Meisterleistung».

Der grösste Teil der 300 Mio. Euro, von denen ein Teil auch aus der Schweiz stammte, sei in das Mutterschiff Mars Express geflossen und nicht ins Landegerät, denn Beagle 2 sei hauptsächlich mit privaten Geldern finanziert worden. «Vielleicht war das Projekt gar nicht zu teuer, sondern zu billig.»

swissinfo, Renat Künzi

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